Für die Besitzer von Anlagekonten aus der Geldumstellung (es handelt sich da also um das „letzte halbe Prozent“ der RM-Altgeldguthaben) bietet die Reichsbahn-Anleihe die Möglichkeit, die blockierten DM-Beträge schnell wieder in „freies Geld“ zu verwandeln und dazu noch höhere Zinsen zu erhalten. Anleihebeträge, die aus den Anlageguthaben gezeichnet werden, bleiben nämlich nur ein Jahr lang gesperrt – sie werden in das Reichsbahnschuldbuch eingetragen – und können dann an der Börse weiterverläuft werden, falls es der Inhaber nicht vorzieht, sie zu behalten, um weiter die hohen Zinsen von 6 v. H. (gegen höchstens 2 3/4 v. H. bei Spareinlagen) einstreichen zu können. Laßt er dagegen die blockierten DM-Beträge weiter auf dem Anlagekonto stehen, so können diese Beträge nach der letzten Festkontoverordnung erst nach vier Jahren, frühestens am 1. Januar 1954 freigegeben werden und werden während der ganzen Zeit mit weniger als 2 v. H. (als Sichteinlagen) verzinst.

Ein weiterer Anreiz für die Anleihezeichnung liegt darin, daß auf den Erwerb der mündelsicheren Anleihe die Bestimmungen für das steuerbegünstigte Sparen angewendet werden. Alle für die Anleihe gezeichneten Beträge können also als Sonderausgaben (bis zu dem Höchstsatz von nunmehr jährlich 800 DM für den Steuerpflichtigen und je 400 DM für Frau und Kinder) vom Einkommen vor der Versteuerung abgezogen Verden, falls die Anleihebeträge mindestens drei Jahre nicht weiterverkauft werden.

Da ein großer Teil der auf den Anlagekonten stehenden Guthaben nur kleinere Beträge von weniger als 100 DM umfaßt, werden außer den Schuldverschreibungsurkunden, die nur bis zu einem Nennwert von mindestens 100 DM und mehr ausgefertigt werden, auch Zertifikate von 20 DM und einem Vielfachen dieses Betrages abgegeben. Bei Anlageguthaben von weniger als 20 DM bis zu 5 DM ist dringend zu raten, den fehlenden Betrag bis zur Mindestzeichnungssumme von 20 DM noch hinzuzuzahlen, anstatt vier Jahre auf die Freigabe des Festkontenrestes zu warten. Noch besser ist eine Aufzahlung bis auf 100 DM, weil der Zeichner dann (nach der Sperre von einem Jahr) ein effektives Anleihestück mit Zinsscheinen erhält und die Zinsen halbjährlich kassieren kann, während die Zinsen für ein Zertifikat erst nach zehn Jahren zusammen gezahlt werden und beim Verkauf nur in einem höheren Börsenkurs zum Ausdruck kommen. H. W.