Das Ergebnis unserer Preisfrage – Geflügeltes Wort aus dem spanischen Bürgerkrieg – Francos Drohung vor der Einnahme von Madrid

Unsere Preisfrage über die Herkunft des Schlagworts „Fünfte Kolonne“ (veröffentlicht in der „Zeit“ vom 31. März) hat eine derartige Fülle von Einsendungen erbracht, daß die Prüfung eine viel längere Frist beanspruchte, als vorgesehen war. Selbst aus Kapstadt, São Paulo und London kamen Antworten, und es war schwer, aus den vielen sachlich richtigen die preiswürdigsten zu bestimmen. Das Preisrichterkollegium – Senatsdirektor Erich Lüth, Kurt W. Marek, Cheflektor des Rowohlt-Verlages, und Dr. Lovis H. Lorenz, Lizenzträger der „Zeit“ – waren dabei bestrebt, die erschöpfendsten und originellsten Erklärungen ausfindig zu machen. Manche Antwort, die vielleicht in die engere Wahl gefallen wäre, traf verspätet ein und konnte nicht mehr berücksichtigt werden. Außerhalb der Konkurrenz wartete auch unser Zeichner mit einer Lösung auf, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. – Was die „Fünfte Kolonne“ ist, woher sie ihren Namen hat, und was die Kolonnen 1 bis 4 sind, geht aus den im Folgenden abgedruckten Antworten hervor. Die Jahreszahlen schwanken allerdings. Laut Walter Theimers „Lexikon der Politik“, das 1947 im Verlag A. Francke AG, Bern, erschien, stammt der Ausdruck aus dem Jahr 1936. Es sei aber nicht verschwiegen, daß es auch eine Überlieferung gibt, nach welcher er auf Trotzkijs „Fünfte Armee“ zurückgeht, die im russischen Bürgerkrieg 1918 eine besondere Rolle spielte, und somit in Spanien bereits als bloße Variante erscheint. Immerhin hat er erst in dieser Neuprägung die Bedeutung gewonnen, die ihm heute als politisches Schlagwort zukommt. – Die aus der Stichwahl hervorgegangenen Preisträger sind: 1. Preis: Dr. Georg Krönig, Hamburg, Oberstr. 113; 2. Preis: Hans Walz, Langenhagen bei Hannover, Osterriedestr. 15, und Dr. Erwin Kohl, Hamburg, Alsterchaussee 3; 3. Preis: Dr. Ascan Klée Gobert, Hamburg-Volksdorf A, und Josef Büchel, Essen, Wandastr. 20. – Die Empfänger der 100 Buchpreise werden direkt vom Rowohlt-Verlag brieflich benachrichtigt werden. Die preisgekrönten Einsendungen geben wir hier im vollen Wortlaut wieder.

Ein posthumes Gespräch Goethes mit Eckermann

1. April 1949

Wir sprachen von den neuesten Zeitungen, welche Goethes von Paris zugekommen. „Da hat man nun“, sagte er, „in einem politischen Prozeß die Frage aufgeworfen, was denn eigentlich die viel berufene fünfte Kolonne sei. Ich muß gestehen, daß ich bei einigermaßen deutlicher Vorstellung den Herren doch nicht mit einer handlichen Definition zu dienen vermöchte.“

„Als Franco“, erwiderte ich, „1936 den spanischen Bürgerkrieg eröffnete, griff er die Republikaner mit vier Kolonnen an, während seine Anhänger hinter der Front der Republikaner diese durch Propaganda, Spionage und Sabotage bekämpften und verwirrten. Sie bildeten so seine ,fünfte‘ Kolonne, und seither nennt man alle solche geheimen Angreifer mit diesem Namen und weiß kaum, wo man sich ihrer nicht versehen soll.“

„Die Leute“, sagte Goethe, „haben nun einmal eine bis ins Apprehensive gesteigerte Vorliebe für das Außergewöhnliche und Geheimnisvolle. Selbst die nüchternen Ordnungszahlen, welche uns doch gegeben sind, um die irdischen Verhältnisse ins rechte Lot zu bringen, müssen dazu herhalten, das Reale mit dem magischen Schimmer inkommensurabler übermächtiger Gewalt zu verhüllen. Ich habe es erlebt, wie man die Herrschaft des dritten Standes als die Panazee aller sozialen Gebrechen verehrte. Dann hat man ermattete Seelen, mit der „vierten Dimension“ mehr verwirrt als gestärkt, und jetzt soll die fünfte Kolonne den wankenden Gemütern den Rest geben. Ich sage nicht, daß man dergleichen geringschätzen soll. Die Menschen unterlassen nicht leicht etwas, um einander Schaden zuzufügen, und sind ebenso unerschöpflich, dafür philanthropische Zwecke zu ersinnen. So sieht es ihnen durchaus gleich, da doch vier Säulen in aller Welt bestimmt sind, ein Dach zu tragen, noch eine fünfte zu erfinden, das Gebäude desto wuchtiger einzustoßen. Aber es ist kein Grund, solche Erscheinungen über Gebühr zu fürchten. Wo eine fünfte Kolonne auftreten mag, da ist wohl auch Raum für eine sechste, als welche ich alle unerschrockenen Seelen versammeln möchte, die sich von keinem Geschöpfe dieser Welt das Gruseln wollen beibringen lassen.“ Dr. Georg Krönig