Der Kommunist Kurt Müller hat in einer Rede behauptet, Ernst Kriedemann vom Zentralvorstand der SPD sei ein Spitzel der Gestapo gewesen. Ein hannoversches Gericht hat ihn jetzt von der Anklage der Beleidigung freigesprochen. Gleichzeitig mußte der Lizenzträger und Chefredakteur Spengemann, ein anderes prominentes Mitglied der SPD, seine Ämter niederlegen, bis geklärt ist, ob er sich nicht als Spitzel betätigt hat. Zu eben der gleichen Zeit hat die SPD den der CDU angehörigen Finanzminister Strickrodt beschuldigt, einen Brief an Rudolf Heß geschrieben und Kenntnis von den Vorgängen im KZ Salzgitter gehabt zu haben. Ob die drei Angriffe gerechtfertigt sind, ist bisher nicht einwandfrei geklärt worden. Bemerkenswert aber ist ein Satz aus der Begründung des Freispruchs für Müller. Er habe, so heißt es dort, mit den gleichen Mitteln gearbeitet wie die von ihm angegriffene Partei. Es wäre gut, wenn die Leitung der Parteien daraus die Lehre zögen, in Zukunft weniger selbstgerecht zu sein, und wenn sie die Taktik, politische Gegner mit Schmutz zu bewerfen, von nun ab aufgäben. Tgl.