Der Deutsche Werkbund – im Jahre 1907 von Architekten, Künstlern und Industriellen gegründet – zeigt jetzt in Köln seine erste Ausstellung nach dem Kriege. Das Motto heißt: „Neues Wohnen“ – ein Problem, das sich durch Entwürfe und Musterstücke wohl lösen läßt, aber bisher noch immer am Geldbeutel gescheitert ist. Denn die raumsparenden, geschmackvollen Möbel sind für die Masse derer, die sie dringend nötig hätten, viel zu kostspielig. Dies ist auch der Fehler der in Köln gezeigten Schränke, Kommoden und Regale. Solange für einen Wäscheschrank 312 Deutsche Mark auf den Tisch gelegt werden müssen, bleibt das „neue Wohnen“ graue Theorie. Die gezeigten Modellstücke – handwerklich gefertigt, sehr praktisch und doch formschön – sind als Vorlage für die serienmäßige Herstellung gedacht, wodurch die notwendige Verbilligung erreicht werden soll (was noch abzuwarten bleibt). Farbenfreudige Textilien und Tapeten und passende Beleuchtungskörper werden als belebende Effekte der Wohnräume empfohlen. Sehr praktisch sind die ausgestellten Wohn- und Kleinküchen, die in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Fachschule für Frauenberufe in Rheydt entstanden sind.

Der Gesamteindruck: Auch die deutschen Herstellerfirmen in Köln sind bereits wieder soweit, daß sie die Konkurrenz mit dem Ausland aufnehmen können. Vergleichsmöglichkeiten bieten die gezeigten Proben aus der englischen Produktion, die unter staatlicher Lenkung steht. Sehr nachahmenswert erscheint die englische Methode, das Publikum durch Befragen zu eigenen Vorschlägen zu veranlassen, die die Herstellerfirmen dann als Anregung verwerten.

Die gleichzeitig mit der Werkbundausstellung laufende Schau „Deutsche Architektur seit 1945“ zeigt in ihren Skizzen und Modellen, daß wieder der Mensch bei den Formen der neuen Baukunst im Vordergrund steht und man sich um einen großen Schritt von der leeren Fassadenromantik entfernt hat. Diese Schau steht, genau wie die zur gleichen Zeit in der Rheinmetropole gezeigte Ausstellung „Malerei und Plastik der Gegenwart“, in Zusammenhang mit dem „Neuen Wohnen“, schafft doch der Architekt die Vorbedingung für die häusliche Behaglichkeit, während Maler und Bildhauer dem neuen Lebensgefühl Ausdruck verleihen. J. S.