Mit viel Schwung geht Portugal an den Ausbau seiner wirtschaftlichen Möglichkeiten. Und darum wird der Ende Mai zwischen Westdeutschland und Portugal abgeschlossene Handelsvertrag in Lissabon aufrichtig begrüßt, beendet er doch endlich den vertraglosen Zustand, der nach dem Kriege den wirtschaftlichen Verkehr beider Länder belastete.

Portugal hat im Anschluß an die günstige Entwicklung während der Kriegszeit schnell einen erheblichen Konjunkturumschwung erlebt, der der Handelsbilanz, die in den Kriegsjahren einen Aktivsaldo aufwies, die gewohnte Vorkriegspassivität brachte. Sehr bald war die vorhandene Devisenreserve aufgebraucht, als das ausländische Interesse an portugiesischen Rüstungsmetallen (Kupfer und Wolfram), an portugiesischen Nahrungsmitteln und nicht zuletzt an der Sicherheit portugiesischer Banken für verlagerte Fluchtkapitalien nachließ.

Man half sich in Lissabon mit den einschneidenden Bestimmungen einer scharfen Einfuhrkontrolle (seit Februar des vergangenen Jahres unterliegt jedes Geschäft im Werte von über 2500 Escudos der Genehmigung). Als weitere Möglichkeit wählte man den Ausweg der Industrialisierung, der für die Leichtindustrie als durchaus gangbar angesehen werden kann. Obwohl Portugal noch immer einen überwiegend landwirtschaftlichen Charakter hat, ist es bei der bescheidenen Ergiebigkeit des Bodens und rückständigen Bebauungsmethode doch auf erhebliche Nahrungsmitteleinfuhren angewiesen.

Unter dem Gesichtspunkt der Industrialisierung muß daher auch das erste Nachkriegs-Handelsabkommen Portugals mit Westdeutschland betrachtet werden. Portugal wird Einfuhrlizenzen im Gesamtwert von 16 Mill. $ ausstellen, für die aus den Westzonen Maschinen und Ersatzteile (allein für 9 Mill. $), Elektro-Ausrüstungen (für 1 Mill. $), Gießereierzeugnisse, Erzeugnisse aus NE-Metallen, Fahrzeuge, feinmechanische und optische Geräte, Chemikalien, Hopfen, Malz und einige Lederwaren geliefert werden. Aus Portugal erhalten wir für ebenfalls 16 Mill. 8, vor allem Sisal, Manganerz, ferner Kork, Ölsardinen, Ölkuchen, Hülsenfrüchte, Kakaobohnen, Harze, Häute, Wolfram und außerdem geringe Weinmengen.

Natürlich muß die Gesamthöhe des Abkommens mit 32 Mill. $ als äußerst gering bezeichnet werden. Es stellt aber doch einen erfreulichen Anfang dar, denn schließlich erreichte der Handel der Doppelzone mit Portugal in der zurückliegenden vertraglosen Zeit kaum 5 bis 6 Mill. $ im Jahr. Und wenn der Präsident der portugiesischen Delegation, Dr. Correia de Barlos, den Wunsch nach einer Vergrößerung des gegenseitigen Warenaustausches äußerte, so darf er der Überzeugung sein, daß auch wir das größte Interesse daran haben, recht bald die freundschaftlichen Handelsbeziehungen zu Portugal den normalen Erfordernissen anzupassen.

ww.

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In Verbindung mit dem neuen Handelsabkommen zwischen Frankreich und der Schweiz wurden alle eingeführten Handelsbeschränkungen aufgehoben. Das Abkommen sieht vor, daß die Schweiz Uhren im Wert von 20 Mill. Franken sowie Farben und Chemikalien im Wert von 30 Mill. Franken jährlich nach Frankreich ausführen kann.