Ein Frühwerk Sutermeisters in Köln

Wenn ein Komponist jenen Grad von Anerkennung errungen hat, den der Schweizer Heinrich Sutermeister nicht nur in Deutschland verzeichnen kann, dann pflegt er seine verschwiegenen Anfänge zu bearbeiten. Nicht immer kommt bei der Übertragung eines ursprünglichen Funkstücks freilich ein so lebensfähiges Bühnenwerk wie Egks „Columbus“ heraus. „Die schwarze Spinne“ ist und bleibt eine Novelle von Jeremias Gotthelf. Wenn das schwache Libretto von Albert Roesler der Musik am Radio vielleicht nicht gerade schaden mag, auf der Bühne kann man dieselbe Riesenspinne nicht das eine Mal als todbringenden Teufelsboten die Häuser mit ihrem Schatten überdecken und dann von einer Mutter in der Wiege ihres Kindes mit den Händen zerquetscht werden lassen. Was als Novelle lesbar, als Funkoper vorstellbar, ist nicht nur auf der Bühne nicht darstellbar – auch den Komponisten hat es nicht übermäßiginspiriert. Die häufigen Kirchenchöre eines von der Pest heimgesuchten Älplervolks bezeugen die Vorliebe Sutermeisters für den Chor. Aber sie haben hier nicht die dramatische Schnittigkeit, die er dann in „Romeo und Julia“ erreichte. Wenn das Mädchen Christine – bereit, sich für das Dorf zu opfern – ein ungetauftes Kind für den Teufel stehlen will und deshalb die Mutter mit betörendem Gesang einschläfert, dann ahnt man die Vokalisen der „Zauberinsel“ voraus. Aber es bleibt bei Ankündigungen. Deutlicher zeigen Harmonik und Instrumentation schon die Handschrift Sutermeisters, der vor zwölf Jahren, als er das schrieb, gerade der Münchener Lehre entwachsen war. Thematisch ist es dieselbe Alpenwelt mit Fluch und Pest, mit Sinnenlust und Erlösungsopfer, wie in dem zeitlich benachbarten Ballett „Das Dorf unter dem Gletscher“. Aber wie dort, so erinnert auch hier das deftigste Stück, ein scharf und mit Schwung rhythmisierter Bauerntanz, mehr an Werner Egk (zumal an seine „Zaubergeige“) als an Orff, den Lehrer Sutermeisters.

Die Kölner Oper konnte sich von dieser deutschen Erstaufführung – einige Monate nach der St. Gallener Uraufführung der Bühnenfassung – kaum einen Gewinn versprechen. Sie setzte unter der musikalischen Leitung von Richard Kraus zwar ihre ersten Stimmen ein. Daß Erich Bormann mit den Inszenierungsproblemen nicht zurecht kam, konnte kaum überraschen. Aber im ganzen ist es doch bemerkenswert, daß Maisch nun schon den dritten Abend der Suche nach neuen Kammeropern widmete. Die kleinen Kammerspiele waren nämlich noch nicht mal zur Premiere voll besetzt, und manche Leute, verließen bereits während des vorausgehenden Einakters „Der Steinbruch“ von Friedrich Schmidtmann unter Protest den Saal. Dennoch war es richtig, gerade dieses wirksame und gekonnte Stück musikalischen Theaters noch einmal betont herauszustellen. Johannes Jacobi.