Carter nahm mit größter Vorsicht die oberste Schicht der Steine heraus. Die Arbeit war zeitraubend und schwierig, denn es bestand Gefahr, daß Steine sich lösten, nach innen fielen und zerstörten oder beschädigten, was immer sich hinter der Tür befand. Außerdem mußte er versuchen, die der Wissenschaft wichtigen Siegelabdrücke zu erhalten. Als sich die erste Öffnung zeigte, gesteht Carter: „Die Versuchung, jeden Augenblick innezuhalten und hineinzuschauen, war unbezwinglich!“ Gedämpftes Raunen erhob sich, als sich Carter nach etwa zehn Minuten die an langer Schnur befestigte elektrische Lampe reichen ließ und sie durch die Öffnung einführte.

Was er sah, übertraf jede Erwartung, ja, es war ungeheuerlich und im ersten Augenblick völlig unbegreiflich.

Carter sah sich vor einer blinkenden Wand, die er, von rechts nach links blickend, nicht abmessen konnte. Sie versperrte den ganzen Eingang. Carter führte die Lampe so tief ein, wie er konnte. Er stand vor einer Mauer aus massivem Gold!

So schnell es ging, lockert er weitere Steine. Jetzt konnten auch die anderen den goldenen Glanz sehen Als ein Stein nach dem anderen entfernt und immer mehr der goldenen Mauer sichtbar wurde, da – schreibt Carter – „konnten wir wie durch eine elektrische Leitung das Prickeln der Erregung spüren, in das die Zuschauer hinter der Schranke gerieten“.

Jetzt aber wurde klar, was es mit dieser Mauer auf sich hatte. Sie standen tatsächlich vor dem Eingang der Sargkammer. Und was sie als Mauer sahen, war die Vorderwand eines ganz ungewöhnlich großen, wahrscheinlich des kostbarsten Totenschreins, den je ein Mensch erblickt hatte. Des Schreins, der in seinem Innern die Särge und schließlich den Sarkophag mit der Mumie bergen mußte.

Zwei Stunden schwerer Arbeit waren nötig, um den Eingang so zu öffnen, daß die Sargkammer betreten werden konnte. Eine Pause trat ein, die die Geduld aller bis zum Zerreißen anspannte, als auf der Schwelle die zerstreuten Perlen einer Halskette gefunden wurden, die die Plünderer wahrscheinlich hatten fallen lassen. Während die Zuschauer voller Ungeduld auf ihren Stühlen rutschten, sammelte Carter mit der Beharrlichkeit des echten Archäologen, der selbst vorm Allergrößten das Allerkleinste nicht gering achtet, Perle für Perle sorgfältig ein!