Da sehe ich den Verwalter unseres Trusts, Gorunoff, in sein, Arbeitszimmer hasten. Früher dick wie ein Faß, ist er jetzt abgemagert, und der Mantel hängt ihm wie eine Kutte Ton den Schultern herunter. Ich begebe mich also in sein Kabinett, berichte, daß ich die Arbeit beendet, die Berichte über den Abschluß der Liquidation und zwanzigtausend Rubel mitgebracht hätte. Gorunoff wühlt nervös in den Schubladen seines Schreibtisches. „Sie sind fertig? Gut, sehr gut, prächtig! Die Berichte? Die Berichte haben Sie auch? Ja, aber es ist keiner da, der sie übernehmen könnte... und die Gelder... ja was soll mit dem Geld geschehen?... Also, geben Sie das Geld nicht ab, wir werden es selbst gebrauchen können... Wir haben Evakuierungsbefehl...“

Völlig unglaublich: Mein Vorgesetzter schlägt mir vor, die Staatsgelder nicht abzuliefern, den Betrag einfach zu unterschlagen. Aber das Geld stellte sich für uns alle als sehr nützlich heraus. Der Hauptbuchhalter erklärte, daß es ihm nicht möglich sei, die für unsere Ausreise vorgesehenen Gelder zu erhalten. Die Bank wurde unentwegt von Kassierern und Buchhaltern belagert, aber die meisten Bankbeamten hatten bereits die Flucht ergriffen, die Abwicklung kam nicht vom Fleck. Die Bankleitung setzte sich telefonisch mit der NKWD in Verbindung und bat um ein Schutzdetachement, da die aufgeregte Menge das Gebäude zu stürmen drohte. Der NKWD waren aber nunmehr alle Banken völlig gleichgültig: sie hatte mit der eigenen Evakuierung genug zu tun. Wie selig war unser Hauptkassierer, als ich ihm meine Staatsgelder gab. Evakuierungsgelder...

Im Trust hatte ich nun nichts mehr zu tun und beschloß, einen Spaziergang durch Moskau zu machen. In den wenigen Stunden, die ich in meinem Dienstgebäude verbrachte, hatte sich das Bild in den Straßen kraß geändert. Die Leute waren von Panik ergriffen. Vollbepackte Lastwagen sausten vorbei: auf Kisten und Ballen hockten Menschen. Viele Personenautos flitzten vorbei: die Insassen verbargen ihr Gesicht hinter aufgeschlagenen, hohen Pelzkragen... Auf der Mjasniczkaja, der Kleinen Lubjanka wirbelten im Winde weiße Papierfetzen und Asche: die Behörden verbrannten ihre Archive. Man sagte, daß selbst die NKWD ihre Akten „liquidiert“. An den elektrischen Wagen hingen lebendige Trauben – Leute, die zu den Bahnhöfen wollten. Aus den weit geöffneten Toren der Fabriken und Lagerhäuser strömten schwer beladene Lastwagen, und es war nicht schwer zu erraten, daß diese Karawanen in die Endlosigkeit der Ostgebiete entkommen wollten. Moskau war im Begriff, sich aufzulösen, die Menschen verließen die Stadt genau wie Ratten das untergehende Schiff!