Von dem Krankenhausgeruch, jenem Geruch nach Borwasser, Jod, Chloroform und Verbandzeug, unterscheidet sich der Geruch der Apotheken um ein Wesentliches: er ist weniger aufdringlich, sauberer, zurückhaltender und nicht so deutlich zu zerlegen in seine einzelnen Bestandteile. Er ist angenehmer und macht keine Angst. Er beruhigt, weil er erfüllt ist von dem Duft der Medikamente und Kräuter, die die Krankheit heilen sollen (auch den „Apothekerschnaps“ kann man riechen, wobei der freilich nur als „Heilmittel“ angesehen sein soll). – Dieser Geruch lag auch über der pharmazeutischen Ausstellung in Hamburg, die im Altonaer Museum gleichzeitig mit dem Apothekertag eröffnet wurde. Fast alle pharmazeutischen Firmen haben in ihr ausgestellt. Da sieht man altbekannte und bewährte Medikamente, wie das Grippe- und Kopfschmerzmittel Quadrorial, die Nasentropfen Endrine, das Leberpräparat Taurosan; als zeitgemäßes Erzeugnis wird Kaugummi mit Vitamin C angeboten. Aber auch bedeutende neue Medikamente erschienen in dieser Ausstellung zum ersten Male auf dem deutschen pharmazeutischen Markt: so zum Beispiel das Aureomycin, ein neues Antibiotikum, das eine wesentliche Ergänzung des Penicillin darstellt. Bei Penicillin resistenten Krankheiten, zum Beispiel dem Fleckfieber, der Balkangrippe oder der „Vierten Geschlechtskrankheit“ mit dem kaum aussprechbaren lateinischen Namen Lymphogranulomatose Inguinalis hat dieses Mittel gute Erfolge erzielt. Eine weitere, ebenfalls aus Amerika stammende Neuerscheinung ist das Teropterin. Teropterin gibt man Krebskranken im vorgerückten, unheilbaren Stadium –: es übt keinen heilenden Einfluß auf die Krankheit an sich aus, verbessert jedoch die Stimmungslage des Kranken und mildert die Schmerzen in einem bisher noch nicht gekannten Ausmaß. – Allerdings vermißte man in dieser Ausstellung das in aller Welt bekannte Firmenzeichen der Bayerwerke in Leverkusen. Die vor dem Kriege größte europäische pharmazeutische Fabrik, in deren Forschungswerkstätten die bahnbrechenden Sulfonamide (Chinin, Germanin usw.) zum ersten Male zusammengestellt wurden, war auf dieser Ausstellung nicht vertreten.

Die Verbindung der Ausstellung mit dem Apothekertag ist für die pharmazeutischen Firmen, vor allem aber für die Apotheker, günstig; denn so können sie aus dem theoretischen Gespräch der Tagung sofort in die Praxis übergehen – das bedeutet: in die Schau eines fast vollständigen deutschen Medikamentenmarktes, der ihnen im Augenblick zur Belieferung ihrer einzelnen Apotheken zur Verfügung steht.

P.H.