Zwanglos sahen sich die Leute die Ausstellung an und – Wunder über Wunder – sie nickten nicht mit den Köpfen oder hißten ein erfrorenes Lächeln, nein, sie kauften auch. In kurzer Zeit prangte an vielen Bildern das kleine Schildchen „verkauft“, das einem jungen Menschen wieder für eine Zeitlang ein Dach über dem Kopf sichert.

Auch liefen die Menschen nicht sofort wieder auseinander, sondern ein „geselliges Beisammensein“, bei dem selbstverständlich jeder seine Zeche bezahlte, vereinte sie noch bis in die späte Nacht. Und Professor Baade hielt witzige Ansprachen, in denen er unterstrich, was in der Tat dick unterstrichen werden muß, daß alles hier ohne Anforderung von Steuergeldern oder anderer öffentlicher Mittel aus dem In- oder Ausland rein aus privater, persönlicher Initiative geschaffen sei.

Es fiel mir auf, daß schon Bilder nur etwas modernerer Konzeption schwerer zu verkaufen sind als solche, die alter oder älterer Tradition folgen. Alles sind Schüler-Arbeiten, von jungen Leuten geschaffen, die aus den Stürmen der Zeit heimkamen mit dem Vorsatz, Maler zu werden, die aber nichts besaßen –, keinen Pinsel und kein Dach über dem Kopf und keine Ahnung von Wesen und Eigenart der Farben. Es kann auch hier gar nicht darum gehen, künstlerische Werturteile abzugeben.

Daß die Kunstschule für die geistig aufgeschlossenen Menschen der Gegend ein gewisser „Stützpunkt“ geworden ist, schien nach diesem Abend unbestreitbar. Kann man sagen, daß die Leute, die in großen, prunkvollen Autos von weither nach dem Steinberg bei Plön geeilt waren, „Mäzene“ sind? Wenn sie es sind, so steht fest, daß der Mensch von heute nichts so haßt, als Geld, das er spenden will, ins Anonyme wegzugeben. Auch die Mäzene wollen sehen, wo es bleibt. Pardon, man könnte – etwas überspitzt vielleicht – sagen, daß auch die Mäzene zu dem „Kollektiv“ gehören wollen, das diese Kunstschule darstellt. Dies trat ganz klar zutage.

Daß Leute, die Geld haben, sich zu der „traditionsgebundenen“ Kunst mehr hingezogen fühlen, schien ebenfalls eindeutig bewiesen zu werden. Nur ein Eiferer könnte deshalb mit kunsttheoretischen Argumenten gegen die Mäzene zu Felde ziehen. Die demokratische Freiheit erstreckt sich schließlich auch auf Leute, die Talent haben, Mäzene zu sein.

Daß die gezeigten Arbeiten vielfach „nachempfunden“ sind, und daß sich kunsttheoretisch mühelos sehr vieles gegen sie anführen ließe, ist selbstverständlich. Um die Situation zu demonstrieren, könnte man sagen: hier lernen Menschen schwimmen, und zwar Brustschwimmen und Kraulschwimmen. Weltmeister zu werden im neuen Schmetterlingsstil, ist nachher ihre Sache. Aber auch der beste Schmetterlings-Schwimmer muß vorher Brustschwimmen können. Wenn man es auf den Sport überträgt, wird es vielen Menschen klarer. Statt in den Streit der Ismen anzutreten, haben diese Leute den Schutt aus Kellerräumen weggebracht und einen Ofen gebaut, der wärmt. Und dann haben sie zu jungen Heimkehrern gesagt, die im Wirrwarr der Zeitläufte ihr Herz für die Kunst entdeckten: „Kommt herein, wir wollen sehen, was sich machen läßt.“ Und sie haben nicht Väterchen Staat angerufen oder Kulturfonds oder andere öffentliche Kissen, sie haben sich selbst angerufen. Und deshalb lohnt es sich, ihnen ein kleines Loblied zu singen. Auch gibt es, wie einwandfrei demonstriert wurde, viel mehr geheime Mäzene im Land, als unsere pessimistische Seele ahnt.