Die deutsche Fischwirtschaft hat in den letzten Monaten infolge des ungünstigen Zusammentreffens hoher Frischfisch-Importe mit starken Eigenanlandungen eine schwere Krise durchgemacht, die auch jetzt noch nicht als überwunden gelten kann. Hinzu kommen die Schwierigkeiten der eigenen Flotte. Sie konnte noch längst nicht den Vorkriegsstand erreichen und ist durch das Vorhandensein überalterter Dampfer, unrentabler kleiner Dampfer und nicht zuletzt durch die niederländischen Restitutionsforderungen mit drückenden Hypotheken belastet. Die deutschen Seefischmärkte Bremerhaven, Cuxhaven, Hamburg-Altona und Kiel machen jedoch alle Anstrengungen, um sich in der nach Aufhebung der Fischbewirtschaftung geschaffenen frischen Luft kräftig zu entwickeln. Für Hamburg erwachsen auf diesem Gebiet noch besondere Schwierigkeiten, es hat nicht nur erhebliche Trümmer auf dem Gelände des Fischereihafens zu beseitigen, auch das Fehlen des durch die Zonengrenze abgetrennten Absatzgebietes der sowjetischen Besatzungszone ist zu überwinden.

Wie stark Hamburgs Initiative in diesen Fragen ist, geht aus einem Leitartikel hervor, den der hamburgische Senator für Wirtschaft und Verkehr, Prof. Dr. Karl Schiller, unter dem Titel „Hamburgs fischwirtschaftliche Aufgabe“ in Nr. 29 der „Hamburger Hafen-Nachrichten“ veröffentlicht. Prof. Schiller weist in seinen Ausführungen darauf hin, daß die Fischindustrie von Hamburg-Altona rund 40 v. H. der gesamten deutschen Fischindustrie darstelle und zu 80 bis 90 v. H. auf der Verarbeitung des Herings basiere. Der Hering fällt etwa 3 1/2 Monate im Jahre aus eigenen Fängen an. So ist die Fischindustrie in der übrigen Zeit auf den Import angewiesen. Prof. Schiller betont, daß die derzeitigen Preisverhältnisse und Absatzschwierigkeiten keinesfalls dazu führen dürfen, die grundsätzlich als notwendig erachteten Wiederaufbaumaßnahmen zurückzustellen. Das Gleichgewicht, das von jeher zwischen den Preisen für Fische und den Preisen für andere Nahrungsmittel bestanden habe, sei durch die Zwangsbewirtschaftung der letzten Jahre verlorengegangen. Es werde sich aber bei entsprechender Qualitätspflege wieder einspielen. Allerdings sei das Rentabilitätsproblem in der gesamten Fischwirtschaft vor allem von der Kostenseite her anzupacken.

So sehr Industrie und Platzkonsum Hamburgs bei einer Betrachtung der Gesamtfischwirtschaft im Vordergrund stünden, so falsch wäre es, demgegenüber den Frischfisch-Versandhandel zu vernachlässigen. Dabei müsse man sich aber im klaren sein, daß dieser Versandhandel sich in einer schwierigen Position befinde, wenn er nicht durch entsprechende Umschlags-, Bearbeitungs- und Versandeinrichtungen imstande ist, ein günstiges Angebot im Binnenland zu gewährleisten.

Diese klaren, grundlegenden Darlegungen des Hamburger Wirtschaftssenators können nur begrüßt werden. Auch in den anderen deutschen Seefischmärkten wird man sie verstehen, denn sie enthalten nichts, was einen volkswirtschaftlich sinnlosen Konkurrenzkampf zwischen unseren Seefischmärkten fördern könnte. Wir freuen uns besonders über die positive Stellungnahme zu dem wichtigen Frischfischversand, konnten wir doch erst kürzlich aus offizieller Feder in einer Fachzeitung eine ganz andere Darstellung lesen.

In Nr. 23 vom 9. Juni hatten wir uns unter der Überschrift „Falscher Kurs?“ mit der Frage beschäftigt, warum wohl Fischdampfer, die am Heck das Wort „Hamburg“ zeigen (z. B. „Max Brauer“), ihre Fische in anderen Fischereihäfen anlanden. Unsere Veröffentlichung hat den Unwillen. der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Konsumgenossenschaften (GEG) erregt; ihr Inhalt sei nach ihrer Ansicht „eine Verdrehung, die man kaum noch als anständige Journalistik bezeichnen kann“.

Durchaus berechtigt bittet man uns um eine Berichtigung, da wir irrtümlich von „GEG-Fischdampfern“ gesprochen hatten. Wir kommen diesem Wunsch gern nach, denn es handelt sich in Wirklichkeit um „GHG-Fischdampfer“, also um Dampfer der Gemeinwirtschaftlichen Hochseefischerei-Gesellschaft m. b. H., bei der die GEG lediglich (neben dem DGB, einigen Ländern und Städten) Mitgesellschafter ist. Woraus die GEG eine „Verdrehung“ und eine „unanständige Journalistik“ herleitet, können wir allerdings nicht feststellen. Wir haben in unserem Beitrag niemals für eine Bevorzugung Hamburgs plädiert, sondern nur festgestellt, daß von den GHG-Fischdampfern, die auch mit Hamburger Geld erbaut wurden, selten in Hamburg etwas zu sehen ist. Die Entschuldigung der GEG, daß an Stelle des Hamburger Fischdampfers „Max Brauer“ die nicht in Hamburg registrierten GHG-Fischdampfer „Henry Everling“, „Hans Böckler“, „Oskar Schultze“, „Anton Hammerbacher“ und „Peter Schlack“ erhebliche Fischmengen in Altona gelöscht hätten, ist erfreulich und trotzdem nicht ganz stichhaltig. Oder sollte der GEG entgangen sein, daß im Hamburger Schiffsregister neben dem Fischdampfer „Max Brauer“ (HH 288) auch die Fischdampfer „Peter Schlack (unter HH 289) und „Anton Hammerbacher (unter HH 290) registriert sind?

Die GEG-Zuschrift verweist schließlich noch darauf, daß rührige Hamburger Fischhändler schon stets an anderen Plätzen einkauften, sofern die Ware dort günstiger liegt. Auch sei die GEG in der Werbeaktion für den Hamburger Fischabsatz sehr interessiert, da sie in Hamburg eine eigene Fischwarenfabrik unterhält. we.