Das neue, seit einigen Monaten exerzierte Importverfahren laut JEIA-Instruktion Nr. 29 wurde zwar als ein Fortschritt in der Entwicklung zu einer normalen Außenhandelswirtschaft begrüßt, konnte jedoch nur als eine mit vielen Mängeln behaftete Kompromißlösung gewertet werden, so daß eine sich allmählich verstärkende Kritik zu erwarten war. Es blieb auch diesem Schema nicht erspart, daß die natürliche Entwicklung schneller war.

Das Schema sah, wie bekannt, eine Aufteilung im Zuteilungs- und Reihenfolgeverfahren vor, wobei – insbesondere von der VfW selbst – erwartet worden war, daß das Zuteilungsverfahren das normale sein würde und das Reihenfolgeverfahren nur in Ausnahmefällen zum Zuge kommen würde. Die Entwicklung verlief genau umgekehrt. Die Erwartung war von der Voraussetzung ausgegangen, daß der gemeldete Bedarf erheblich größer sein würde als die Kontingente. Nun sind aber die Bedarfsmeldungen seit Ende vorigen Jahres ständig im Rückgang. Es gibt Leute, die der Ansicht sind, daß bei einer völligen Freigabe der Devisenquote für den Import diese heute schon nicht mehr voll ausgewertet würde.

Hier zeigt sich der in der ganzen Welt und nicht zuletzt auch auf dein westdeutschen Rinnenmarkt feststellbare Wandel vom sellers zum buyers market – genau so wie die bedenkliche Verwechslung von Bedarf und Nachfrage. Die „Bedarfsmeldungen“ der ersten Monate gingen ja von dem geschätzten und zweifellos auch vorhandenen Bedürfnis aus, vergaßen aber, daß die Kaufkraft zu keiner Zeit ausgereicht hat, den vorhandenen Bedarf tatsächlich auch befriedigen zu können. Das hat sich sehr deutlich für Waren gezeigt, wo die Bedarfsmeldungen auf den Produktionsplanungszahlen der verarbeitenden Industrie beruhten. Als dann nach Monaten die Importe tatsächlich greifbar waren, stellte sich heraus, daß eine Reihe von Posten nicht unterzubringen war, weil trotz Vorhandenseins eines medizinischen „Bedürfnisses“ die Absatzmöglichkeiten eben nicht mehr gegeben sind.

Das Zuteilungsverfahren ist nur da angebracht, wo es sich um Mangelware handelt und daher die Preiskontrolle zur optimalen Ausnutzung des Devisenkontingents wichtig ist. Nun wurde aber nicht nur der Kreis der Mangelwaren immer kleiner durch größeres Angebot, sondern auch die Vielzahl der Bewerber verringerte sich wegen des Risikos beim Inlandabsatz. Als weitere Schwierigkeit trat hinzu, daß die Bewerber häufig genug gezwungen waren, höhere Devisenbeträge zu beantragen, um bei der niedrigeren Zuteilung überhaupt zum Zuge zu kommen. Wo das nicht geschehen ist, ergaben sich mitunter groteske Verhältnisse. So hat eine namhafte Importfirma den Import einer einzelnen Spezialmaschine im Wert von 2000 $ beantragt, aber nur 400 $ bewilligt bekommen. Sie meint nun ironisch, man solle „gute deutsche Stahlsägen exportieren, um draußen den Teil der Maschine ablägen zu lassen, für den der gemischte Einfuhrausschuß die Devisen bewilligt hat.“ Es ist durchaus zu verstehen, daß in solchen Fällen die Importeure nicht geneigt sind, größere Kapitalien für längere Zeit zu blockieren, um dann nur einen Teil genehmigt zu bekommen, der ihnen nicht im geringsten hilft.

Wenn sich daher in der Praxis das Reihenfolgeverfahren sehr viel stärker durchgesetzt hat, 30 darum, weil CD den Bedingungen eines sechten Absatzwettbewerbs besser entspricht und dieser Absatzwettbewerb heute einen erheblich größeren Bereich umfaßt, als man vor einigen Monaten erwartete. Es wurde gegen das Reihenfolgeverfahren eingewandt, daß es eine oft nur ungenügende Preiskontrolle mit sich bringt. Dieser formal zwar richtige Einwand wird aber überkompensiert durch das Absatzrisiko und die Hinterlegungspflicht von 50 v. H. des Offertenwertes. Hiergegen wurden die stärksten Bedenken laut, die inzwischen zu einer Erleichterung insoweit geführt haben, als die Außenhandelsbanken bei Kreditwürdigkeit des Importeurs auf. das Bardepot verzichten können.

Mit Recht wird aus Importkreisen darauf hingewiesen, daß auch die knappen Einreichungsfristen zu einer erheblichen Erhöhung der Unkosten geführt haben, die sich bei Ablehnung des Antrages schon bei ca. 1 v.H. des Offertenwertes bewegen, und daher auf die Dauer kapitalschwächere Firmen zu weiterer Zurückhaltung zwingen müssen.

Die stärkste Belastung geht zweifellos davon aus, daß in der Frage der Bezugsländer noch keine Freiheit der Wahl besteht und auch der besonders für Hamburg so wichtige Transithandel immer noch auf sich warten läßt. Das gilt gerade in Zeiten sinkender Preise draußen; drinnen ist das Risiko des Importeurs – das er in jedem Falle trägt – besonders groß. Es geht nicht an, ihn auf der einen Seite mit dem vollen Risiko zu belasten, ihm auf der anderen Seite aber die individuellen Ausgleichsmöglichkeiten zu beschneiden. Deshalb soll nun auch, wie es die Bank Deutscher Länder schon in ihrem Mai-Bericht angeregt hat, eine Art Rückversicherung für den Importeur geschaffen werden, um so sicherzustellen, daß die für die Einfuhr verfüglich gemachten Devisenbeträge auch gänzlich ausgeschöpft werden. R. E. L.