Wie auf vielen anderen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens, so zwingen die U"mstAnde aucl In der europäischen Mineralölversorgung zur Zusammenarbeit mit Amerika tt nd zu Vereinbarungen innerhalb Europas. Wenn die USA nicht den Marshall Plan gestartet hätten, fo <wär& es in der Mineralölwirtschaft vermutlich auch ohne ihm zu irgendwelchen internationalen Vertragen e Möglichkeit ist nicht von der Hand zu weisen, obwohl sie unter den gegenwärtigen Umständen absurd erscheint — böse folgen desÜberflusses zu vermeiden, und Abmachungen gekommen, die unerläßlich sind h — d di as Kennzeichen der Mineralölwirtschaft ist es, das (im Gegensatz zur Kohle) nur wenige große Überschußgebiete auf der Erde vorhanden sind, aus denen der Bedarf der Welt gedeckt werden muß. Aus diesem Grunde ist das öl ein so heikler wirtschaftspolitischer Faktor Überdies erfordert der Transport des, flüssigen Rohstoffes eigene technische. Formen: den Tanker und die Pipeline, die für andere Verwendungszwecke unbrauchbar sind. Ein Zuwenig an Tankern und Pipelines bedeutet Versorgungskrisis, ein Zuviel Fehlinvestitionen. Dasselbe gilt für die kostspieligen Ölraffinerien. Es ist daher nur folgerichtig, wenn internationale Abmachungen getroffen werden, die eine angemessene Befriedigung des Bedarfes wie auch eine Abstimmung über die notwendigen Anlagen in den einzelnen Lindern zum Gegenstand haben. Insofern war es besonders für die europäische und damit auch für die westdeutsche Mineralölwirtschaft begrüßenswert, daß sich die Experten der Länder in Paris um den runden Tisch versammelten, um einen Modus vivendi für die gemeinsamen Bedürfnisse zu finden Versorgungsverbesserung ist notwendig In dem Gebiet der heutigen drei Westzonen sind im letzten Friedensjahr 1938 rund 4 4 Mill t Mineralölfertigprodukte (hauptsächlich Benzin, Dieselöl, Petroleum Schmieröle aller Art und Bitumen) verbraucht worden. Im Nachkriegsj ahr 1946 waren es dagegen nur 1 2 Mill t. Für das zweite Marshall Plan Jahr, 194950, ist für die Doppelzone ein Konsum von 2 162 Mill t und für die französische Zone ein solcher von 300 000 t, zusammen 2 46 Mill t, zugrundegelegt worden. Bis 195253 soll der Verbrauch in der Doppelzone nach den Vereinbarungen der Pariser Sachverständigen auf 3 314 Mill t und 460 000 t in der französischen Zone, d h zusammen auf 3 77 Mill t, ansteigen. Das bedeutet. daß am Ende des Marshall Plancs etwa eine Quote v on 85 v. H der Vorkriegsversorgung erreicht wird. Das scheint auf den ersten Blick mehr zu sein, als man erwarten konnte, zumal die militärischen Anforderungen fortfallen. Aber s darf nicht unberücksichtigt bleiben, daß die technische Entwicklung in aller Welt und so auch in Deutschland mehr zur Verwendung des Energiefaktors öl hindrängt, der in Amerika die Kohle bereits überflügelt hat. Außerdem wohnen in den Westzonen ja erheblich mehr Menschen als früher.

Die deutsche Förderung In Westdeutschland kommt noch hinzu, daß die Ernähruagslage zur Intensivierung der Landwirtschaft und damit zu einem bedeutend höheren Ölverbrauch für Traktoren zwingt. Der Lastverkehr wird wegen der noch nicht ausreichenden Leistungsfähigkeit der Schienenwege auf die Straße verwiesen. Die Verlagerung vieler ostdeutscher Betriebe und die Neuorientierung der Industrie auf die durch den Eisernen Vorhang veränderten Wirtschaftsbeziehungen innerhalb Deutschlands bedingen einen erhöhten Kraftverkehr und damit einen größeren Ölverbrauch. Weiter fällt die Kohlenproduktion Oberschlesiens, des mitteldeutschen Reviers und der Saar aus, auf die die Wirtschaft vor dem Kriege bei der Deckung des Kraftstoffbedarfes rechnen konnte. So wird es klar, daß die Verbesserung der heute noch ungenügenden Mineralölversorgung in Westdeutschland (die Diskussion m die Benzin Vergeudung betrifft ja nur Mengen, die für das Ganze unbedeutend sind) dringend notwendig ist, wenn im Wirtschaftsablauf nicht ernste Engpässe entstehen sollen Eines der Hauptprinzipien des Marshall Planes ist es, die beteiligten Länder zur Selbsthilfe anzuhalten und ihnen Mittel für die Selbsthilfe an die Hand zu geben. Für Deutschland bedeutet & ?s einmal die Steigerung dei einheimischen Erdölförderung und der Benzolgewinnung und andereeits den Ausbau der Raffinerien, so daß die notwendigen Einfuhren als Rohöl hereinkomme unc5 im Lande selbst verarbeitet werden. Die deutsche Erdölgewinnung, die jahrzehntelang verhältnismäßig unbedeutend war, hat sich im Laufe der letzten zwanzig Jahre durch Anwendung moderner wissenschaftlicher Untersuchungsmethoden, verbesserter Bohrverfahren und Ausdehnung der Aufschlußarbeiten zu einem beachtlichen Faktor entwickelt. Wenn auch der durch Überbeanspruchung der Felder erreichte Höchststand der Produktion während des Krieges nicht lange gehalten werden konnte, so ist doch nach einem vorübergehenden Rückschlag seit 19 45 t um sowohl Krisen der Versorgung ah eine erhebliche Erholung der Förderung festzustellen, die sich namentlich auf die ergiebigen Funde im Emsland stützt. In der Erkenntnis, daß allein planmäßige Aufschlußarbeiten (geophyslkaliscbe Untersuchungen nd Tiefbohrungen) zur Steigerung der Gewinnung führen können, haben die beteiligten ölgesellschaften für das laufende Jahr eine Verdoppelung ihrer Bohrarbeiten vorgesehen; Baebdem der neu festgesetzte Rohölpreis ihnen die finanziellen Voraussetzungen dafür gegeben : hat. Man erwartet, daß die Förderung im zweiten Marshall Jahr einen Stand von 750 009 t erreichen wird, und hält eine Steigerang ituf l Mill t jährlich für möglich. Auch die Erzeugung von Benzol in den Verkqkungsäfllagen soll gesteigert werden. Man rechnet hierbei im zweiten Marshall Jahr mit einer Atisbeate von stund 120000 t.

Reexport von Heizöl Im ersten Planjahr (194849) sind RohölImporte in Höhe von 554000 t vorgesehen, die zum Teil eingetroffen siad, bzw über die Kontrakte genehmigt wurden. 194950 ermöglicht es die Ausweitung der deutschen Raffineriekapazitätj die Rohöleinfuhren zu verdreifachen. Folgende Importe sind vorläufig in Aussicht genommen! Venezuela Öl für Vollrafnnatiön 249 000 tArafaisches öl für Vollraffinatioa 398000 t Arabisches öl für Hydriertrag 685000 t Arabisches öl nur zum Toppen (Reexportd anfallend Heizöls) 400000J l 732 000 t Aus der Aufstellung ergibt sieh, daß nicht weniger als 85 v. H der Einfuhren aus den arabischen Ländern, d h vor allem aas Kuweit und Saudi Arabien, kommen werden. Die genannten Mengen sind von den alliierten and. deutschen Fachstellen vorgeschlagen und vom Zweimächte Kontrollamt genehmigt worden. Bedauerlich ist das Ausschalten von Oelsenberg. Das von dem Hydrierverbot ausgenommen Werk Wesseling, durch die Gelsenberg Demantage sehr benachteiligt, hat ha März den Betrieb aufgenommen, Bei dem begrenzten Permit könnte es im Jahr wohl 360000 t Kuwah öl, aber nur 240 000 t Emslancfc öl verarbeiten. Di® eigentlichen Ölraffinerien werden irn Herbst dieses Jahres nach Fertigstellung der Vpllverarbeitungsanlage der Shell in Harbnrg einen beträchtlichen Kapazitätszuwachs erhalten. Von deft 400 000 t arabisches öl, die im Rahmen des SCH genannten Topp Programms im zweiten Marshall Plan Jahr nach Deutsehland kommen sollen? werden lediglich dk leichten Bestandteile dem deutschen Bedarf zugutekornmen. Bei dem Topp rückstand rechnet man mit einem Anfall von 160 000 t Heizöl, das reexportiert werden soll. Ebenso werden voraussichtlich rund 20 000 t Bitumen und geringere Mengen von Schmieröl und Petrolkoks für die Ausfuhr frei sein. Gehemmte Einfuhr voü Fertigprodukten Eine bedeutende Aufgabe bei den europäischen Rohöleinfuhrplärien ist es, die im Aufbau und in der Erweiterung begriffene Raffineriekapazität so abzustimmen, daß Fehlinvestitionen vermieden werden. Deutschland hat beispielsweise einen überdurchschnittlich hohen Bedarf an Dieselöl, das natürlich nicht in beliebiger Menge aus dem Rohöl herausgeschnitten werden kann, und andererseits keinen ins Gewicht fallenden Markt für Heizöl. Die deutschen Raffinerien waren bislang vor allem darauf eingestellt, aus dem deutschen Rohöl hochqualifizierte Schmieröle zu gewinnen. Die vorgesehenen bedeutenden Importe von arabischem Rohöl, das eine ganz andere Qualität hat, stellen die Industrie nun vor neue und nicht ganz einfache Aufgaben. Wahrend die westdeutsche Wirtschaft in der Frage der Rohöfimporte auf das Entgegenkommen der Marshall Plan Stellen rechnen kann, ist man im Hinblick auf die Einfuhr von Mineralölfertigprodukten (d h vor allem Benzin und Dieselöl, die einstweilen noch unerläßlich ist, m die Versorgungslücke zu füllen) zurückhaltender. Die FenigprodttkunemiKh? fällt heute noch unter die Importkategorie A, die von den Alliierten finanziert wird. Dieser Zustand wird entsprechend den mehrfachen Erklärungen von alliierter Seite voraussichtlieh demnächst durch Überleitung der Importe in die Kategorie B beendet werden. Es ist aber noch- nicht klargestellt, welche Mengen Westdeutschland im zweiten Marehall Plan Jahr erhalten wird. Natürlich ist es für die Steigerung der deutschen Erdölgewinnung und auch für den Ausbau der Raffineriekapazitäi dringend wünschenswert daß Ausrüstungen, wie Bohrgeräte, Raffinerie ! kolonnen, Wärmeaustauscher und vieles andere, eingeführt werden, soweit das Ausland für solche Aasrüstungen bessere Typen entwickelt hat. Pur diese Zwecke war im ersten MarshallPla n Jahr eine Ausgabe von 12 Mill $ vorgesehen. Aber während die Prozedur der Rphöleinfuhrea verhältnismäßig einfach abgewickelt wird, zeigte es sich, daß bei diesen MarshallImporten eine Hochflut von Anträgen und Formularen zu bewältigen ist, um zum Ziel zu kommen. Für jeden Einzelposten müssen Konkurrenzangebote gleichzeitig eingereicht werden. Außerdem machen nach der Währungsreform die Zahlungsbedingungen Schwierigkeiten. Als die Gesellschaften der Erdölgewinnung endlich DNeue Anträge müssen eingereicht werden.