Schon diese kurzen Überlegungen genügen, um darzutun, daß nach den Umwälzungen des zweiten Weltkrieges das Wohnungsproblem mit ganz neuen Augen angesehen werden muß. Man muß sich von überkommenen Vorstellungen loslösen, die nicht mehr zutreffen. Dies möchte ich vor allem auch den Gewerkschaften zu bedenken geben.

Offenbar spielen bei der unterschiedlichen Behandlung veraltete Doktrinen und Schlagworte eine erhebliche Rolle. Die Hausbesitzer gelten immer noch als „Kapitalisten“, obwohl sie es in ihrer überwiegenden Mehrheit auch früher niemals waren. Immer noch kann man lesen, daß der Hausbesitz ein „arbeits- und müheloses Einkommen beziehe und nur darauf aus sei, Profite zu machen. Dabei ist allgemein bekannt, daß der Hausbesitz längst keine lohnende Kapitalanlage mehr ist; das ist ja der wesentliche Grund dafür, daß der Wohnungsbau fast völlig darniederliegt, und auch insofern wirkt sich die Zwangsbewirtschaftung des Wohnungswesens völlig unsozial aus. Man will die Mieter begünstigen und läßt infolgedessen die Wohnungslosen warten. „Indem der Staat die Marktwirtschaft im Wohnungswesen tötete, gefährdete er die Lebensbedingungen der Marktwirtschaft überhaupt“, so stellt die „Wirtschaftspolitische Gesellschaft von 1947“ in einer Denkschrift über die Weltkrise der Wohnungswirtschaft und den Wohnungsverfall als Folge der Zwangswirtschaft fest. Mit Recht wird hier auch darauf hingewiesen, daß die Chancen des Erwerbs einer guten Wohnung und Einrichtung ein wichtigerer Leistungsanreiz sei als eine Lohntüte, die den Erwerb sonstiger Verbrauchsgüter ermöglicht. Die Anpassung der Mieten von heute bringe die soziale Lösung des Wohnungsproblems von morgen. Seit Jahrzehnten seien durch die herrschende Wohnungspolitik Technik und Unternehmer von dem wichtigsten Gebiet wirtschaftlicher Betätigung, dem Wohnungsbau, gewaltsam ausgeschlossen worden.

Es genügt nicht, daß der Staat Subventionen gibt, im übrigen aber alles beim alten läßt. Das Wohnungsproblem muß vielmehr von allen Seiten her angefaßt werden. Subventionen bedeuten erhöhte Steuern. Was der Mieter in Gestalt einer höheren Miete nicht zahlen soll, das müßte er in Form von Steuern abgeben. Damit wäre aber der Nachteil verbunden, daß die Mittel für den Wohnungsbau erst einen kostspieligen Umweg über einen bürokratischen Apparat machten, statt unmittelbar in der Wohnungswirtschaft zu bleiben. Wenn die Mietkraft des einzelnen beschränkt ist, so ist es seine Steuerkraft nicht minder.

Nun ist klar, daß tasächlich breite Kreise nicht in der Lage sind, eine wesentlich höhere Miete zu zahlen. Dem könnte durch Mietzuschüsse Rechnung getragen werden, etwa so, daß die bedürftigen Mieter von den Wohlfahrtsämtern eine Bescheinigung über die Berechtigung zu einer ermäßigten Miete erhielten und die Hauseigentümer daraufhin eine entsprechende Herabsetzung der Grundsteuern erwirken könnten.

Denn auch darüber muß man sich klar sein, daß ohne einen Rückzug des Steuerfiskus aus der Wohnungswirtschaft diese niemals gesunden kann. Derselbe Staat, der die Mieten auf einem Stand festhielt, der einem um Jahrzehnte zurückliegenden Kostenniveau entspricht, belegte die Wohnungswirtschaft mit immer neuen Steuern, als ob ihre Einnahmeseite dabei .überhaupt nicht berücksichtigt zu werden brauchte. Das hat wesentlich dazu beigetragen, ihre Wirtschaftlichkeit zu zerstören; aus dieser Einsicht müssen die Konsequenzen gezogen werden.

Soweit also die Mieten verbilligt werden müssen, sind die dafür notwendigen Opfer von der Allgemeinheit zu tragen. Die Demokratie verliert ihren Sinn, wenn sie zur Majorisierung wirtschaftlicher Minderheiten mißbraucht wird.