II. Panische Furcht, doch tröstlicher Schnaps – Ein Augenzeuge berichtet aus der Zeit der Belagerung

Von G. Andrejew

Der russische Schriftsteller Andrejew hat jene Tage des Winters 1941/42 miterlebt, von denen die meisten Moskowiter glaubten, es seien die letzten ihrer Stadt. Die deutschen Truppen standen vor den Toren. Die Bewohner Moskaus fürchteten die Deutschen, weil sie Hitler fürchteten, von dem sie wußten, daß er ihnen nicht nur Befreiung von der bolschewistischen Unterdrückung, sondern zugleich ein neues hartes Joch bringen würde. Daß die Kommunisten in der russischen Hauptstadt damals die Partie verloren hatten, hat Andrejew durch die Schilderung echt russisch-bunter Szenen in der vorigen Ausgabe der „Zeit“ (vom 23. Juni) bereits dargelegt: So liefen zwei Männer durch die chaotisch gewordene Stadt: Andrejew selbst und sein Freund Wassjukow, der ein altes Parteimitglied war und plötzlich alles mit anderen Augen betrachtete ...

Die Ladengeschäfte sind leer; die Verkäufer stehen vor leeren Regalen. Wir haben nichts zum Rauchen, und Wassjukow wundert sich: „Wo mögen all die Waren geblieben sein? Vor drei oder vier Tagen waren plötzlich alle Sachen zu haben, die man seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, und nun sind die Läden wie leergefegt? Ob die Verkäufer und Angestellten der staatlichen Magazine alles selber beiseite gebracht und verschoben haben?“

Wassjukow kennt Moskau wie seine eigene Tasche, Auf der Neglinnaya zerrt er mich auf das dritte Stockwerk eines Gebäudes, und wir befinden uns im Speiseraum einer mir unbekannten Behörde. Hinter der Theke hantiert eine freundlich aussehende Frau von etwa 40 Jahren.

Bei den Deutschen bleibt man nicht

„Gruschenka, rette uns, Goldherz! Wir verschmachten nach etwas Rauchbarem! Gib uns Papyros!“