Erzählung von Tami Oelfken

Der Mann hatte schöne grüne Augen mit einer schmalen empfindlichen Braue darüber, und seine Hand, die zärtlich gebogen war, lockte mit runden Fingern. Die Mose hüpfte arglos von der Joppe auf die Hand und pickte. Die andere Meise blieb auf der Bank dicht neben seinem Knie sitzen. So blieben sie lange.

Drüben schrie ununterbrochen der Kuckuck und im Blütenbaum brummten die Bienen. Später hatte er einen Kanten dunkles Brot aus der Tasche gezogen und sich Brocken davon gebrochen, die er verspeiste. Es gingen Gäste aus dem Sanatorium vorbei, zuerst Frau Hammersbach mit der neuen eleganten Dame aus Leipzig, danach Frau Schmidt und Frau Jennes. Keiner setzte sich auf die Bank, obwohl Platz die Fülle war und obwohl der Mann mit den zwei Meisen einen so zutraulichen Eindruck machte. Alle warfen einen verstohlenen Blick zur Seite und gingen vorbei.

Endlich kam der Briefträger. Täglich schleppte er sich mit dieser dicken Tasche voller Zeitungen und Briefe den Berg hinauf. Oben auf den Höfen labte er sich hin und wieder an einem hier gewachsenen Schüppchen, damit ihm die Last leichter werde. Er war schon im Begriff vorbeizugehen, besann sich aber, faßte an den Mützenrand, lächelte, und wenn’s gestattet sei, so wolle er hier ein Weilchen rasten.

Der Fremde nickte und rückte bereitwilligst ein wenig zur Seite.

Ein Leben war das – ja, ein seltsames Leben, sozusagen – war es nicht so? – Die eine Hälfte, mit Verlaub zu sagen, die verschläft der Mensch, da ist er im Traum.

Der Mann mit dem breitrandigen Hut und den grünen Augen nickte bejahend. So war es, alles zur Hälfte ein Traum.