Der allgemeinen Vorstellung von der Landwirtschaft entspricht immer noch die altertümliche, traditionsgebundene Form der vorwiegend in schwerer Handarbeit bewirtschafteten Höfe, die um ihr Fernsein von der Technik und damit von der Hast unserer Tage beneidet werden. Das wahre Bild ist anders. Wie eng aber jetzt schon die Verflechtung zwischen Landwirtschaft und Maschinentechnik ist, zeigt die große Landmaschinenausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Hannover. Im vorigen Jahr, an alte Tradition anknüpfend, wieder begonnen, gibt die diesjährige Ausstellung ein eindrucksvolles Bild von Leistung und Möglichkeiten der Landtechnik. Der Bauer ist ein besonders guter Kunde der Industrie, Vor dem Krieg sind es fast 2 Mrd. Mark gewesen, die die deutsche Landwirtschaft jährlich für Maschinen, Ersatzteile u. ä. ausgegeben hat. Es sollte zu denken geben, wenn der Vertreter einer großen. Landgenossenschaft sagt, daß nach einem erfreulichen Anstieg der Maschinenbestellungen, unter dem Eindruck der Freigabe der Schweinepreise, das Geschäft dann schlagartig aufgehört habe, als die Schweinepreise zurückgesetzt wurden.

Die Fülle der Maschinen und Geräte in den Hallen und auf dem Freigelände mag selbst dem Laien zeigen, wie vielseitig die landwirtschaftliche Arbeit ist und wie schwierig es deshalb sein muß, gute und trotzdem preiswerte technische Lösungen für die vielen Aufgaben zu finden. Wenn auch der immer noch ungenügende Patentschutz nicht alles Neue auf Ausstellungen sehen läßt, so ist doch der technische Fortschritt der diesjährigen Ausstellung unverkennbar. Am auffälligsten ist die große Zahl gummibereifter Ackerwagen, mehr und mehr in zweckgerechter Konstruktion sich angleichend und zunehmend mit Kippvorrichtungen ausgerüstet. Mag auch mancher Hersteller unter dem Eindruck der jetzt geringeren Nachfrage das Geschäft wieder aufgeben, so bleibt eine weite Streuung vorwiegend der handwerklichen Ackerwagenhersteller, die sehr reichhaltig ausgestellt haben, erstrebenswert. Vier Firmen haben Schlepper mit Vierradantrieb ausgestellt, und ein reichliches Drittel aller Schlepper ist mit Anbaugeräten, zum Teil auch schon mit Krafthebern ausgerüstet. Ein englischer Schlepper mit Öldruckheber und Geräten wirkt durch seine sachliche Einfachheit eindrucksvoll. Ein bedeutender Fortschritt ist bei den kleinen Motorgeräten festzustellen. Hier sind erstmalig technisch erfreuliche Formen zu sehen. Ihre betriebswirtschaftliche Bewährung wird noch von Brennstoffkosten und der umständlichen Ausrüstung mit den vielerlei notwendigen Werkzeugen bestimmt.

An den Vorrichtungen zum Pflanzensetzen wird das Bestreben deutlich, durch Vereinigung von Hand und Maschine zu möglichst billigen und guten Lösungen zu kommen. Das zieht sich als Leitfaden durch alle die Stände, die Neues gebracht haben Daneben gibt es auch viele, die nicht nur ihr Gewohntes weiter bringen, sondern schon von früheren Versuchen her als unzweckmäßig bekannte Lösungen nochmals wieder vorstellen. Bei der Knappheit an. Kaufkraft sollte man aber erwarten, daß jeder vorher sich möglichst bemüht, alle früheren Erfahrungen zu verwerten, statt sie letzten Endes auf dem Rücken der Landwirtschaft von neuem zu sammeln.

Am Rande des Freigeländes ist übersichtlich und eindrucksvoll die Lehrschau aufgebaut, die einige wichtige landwirtschaftliche Arbeiten in der Zusammenordnung aller Geräte zeigt. Auf zwei freien Feldern laufen bis zum 3. Juli ununterbrochen die Vorführungen der Firmen, insbesondere mit der Vielzahl der neuen Schleppergeräte und das Leistungsfahren unseres Nachwuchses an Schlepperfahrern. Die Zeit, in der für die Technik in der Landwirtschaft besonders geworben werden mußte, ist endgültig vorbei. Nur die Geldknappheit hindert den Bauern noch daran, den notwendigen großen Schritt in die Mechanisierung zu tun. G. Preuschen