Die um wirklich modernes Musiktheater sehr verdiente Wuppertaler Oper hat jetzt eine Uraufführung herausgebracht, die schon durch den Namen und früheren Erfolg des Komponisten zu versprechen schien, daß hier einmal ein neues Werk die ganze Breite des Opernpublikums erreichen werde. Denn Ottmar Gerster ist mit seinem „Enoch Arden“ an 140 Bühnen aufgeführt worden, und auch seinem jüngsten „heiteren musikalischen Drama“ – „Das verzauberte Ich“ – liegt wie seiner „Hexe von Pasau“ (nach Billinger) ein literarisch und theatralisch approbierter Stoff zugrunde; Raimunds „Alpenkönig und Menschenfeind“! Paul Koch hat ihn frei als Libretto bearbeitet. Dennoch brachte die Uraufführung eine Überraschung. Es zeigte sich nämlich, daß Erfolge vorher nicht auszurechnen sind. Das handwerklich zweifellos beträchtlich“ Können Gersters und seine Formenkenntnis waren hier im Gegensatz zu dem tragisch-sentimentalen „Enoch Arden“ für ein heiteres Sujet aufgeboten. Dafür aber fehlt dem Komponisten ebenso der schöpferische, die Welt des Zaubermärchens und der moralischen Komödie von innen erhellende Einfall, wie es der Vielfalt der angewandten Formen am zwingenden Gesetz mangelt. Die Oper zerläuft in Einzelheiten, wobei volkstümliche Naivität leicht in Trivialität entgleitet, die romantische Ironie der Konfrontierung Rappelkopfs mit seinem Ebenbilde nur ein Buffospaß bleibt und der Zauber des Wiener Singspiels entwichen ist. Angesichts der durch Musik verschleierten Dialoge und mangels einer wirklich operngerechten Bewältigung der dramatischen Idee fragt man sich, warum die köstliche Komödie Raimunds in einen technisch zwar glitzernden Opernpanzer gezwängt werden mußte, in dem ihr aber das Lebenslicht ausgeht.

Dabei wird von der Bühne viel verlangt. Die Führung der Sänger als unverkennbar im Schauspiel beheimateter Figuren war eine dankenswerte Leistung des Spielleiters K. H. Krahl. Für die Bergwelt des Königs Laurin und die märchenhaften Erscheinungen aus seinem Geisterreich wußte der Regisseur mit Hilfe der Ausstattung von Isolde Schwarz romantische Bildreize mit den Formen der modernen Szenik zu vereinigen. An der Spitze eines personenreichen, von dem Dirigenten Arthur Apelt geleiteten Ensembles zeichnete sich Hans Berg als Rappelkopf aus. Gerster, der selbst aus Weimar gekommen war, wo er jetzt als Hochschuldirektor Komposition lehrt, hatte in der Premiere einen Publikumserfolg zu verzeichnen, Johannes Jacobi