R.K.N., Zürich, Ende Juni

Der jüngst veröffentlichte Jahresbericht des Vereins schweizerischer Wollindustrieller enthält aufschlußreiche Angaben über den Weltverbrauch und die Weiterzeugung von Wolle Die Gesamtproduktion an Rohwolle hat danach (1948/49) 3770 Mill. lbs erreicht, gegen 3760 Mill. im Jahre zuvor und 3770 Mill. im Durchschnitt der Jahre 1931 bis 1938. Dies also heißt, daß die Weltproduktion ihren Vorkriegsstand erreicht hin? Von der Gesamterzeugung entfielen. auf Australien 1026 Mill. lbs, auf Argentinien 450 Mill., auf Neuseeland 365 Mill., auf die USA 307 Mill., auf die Sowjetunion 260 Mill. auf Südafrika 210 Mill. und auf Uruguay 170 Mill., so daß diese sieben Länder also drei Viertel der gesamten Wolle erzeugen.

Aus der Statistik geht hervor, daß die Wollerzeugung der Welt ihren Höhepunkt in der Kriegsjahren 1940/42 mit einer Gesamtproduktion von 4300 Mill. lbs erreicht hat und seither wieder zurückgegangen ist. Die Prognosen für das laufende Wirtschaftsjahr besagen, daß die Schur etwa 10 Mill. lbs mehr einbringen wird als im Vorjahr; Australien und Südafrika erwarten wesentlich höhere Erträge; während in Argentinien, Uruguay und den USA mit starken; Rückgang gerechnet wird. Von der Gesamtproduktion der Wirtschaftsperiode 1948/49 gelten 2930 Mill. lbs als „apparel wool“, also Wolle, die zur Erzeugung von feinen Artikeln, vor allen – von Bekleidung geeignet ist, der Rest als „carpet wool“, d. h. Teppich wolle für gröbere Verarbeitung. Die Produktion feiner Merinowolle, die im Krieg stark vernachlässigt wurde, zeigt wieder steigende Tendenz, ohne aber die Weltnachfrage sättigen zu können. Diese Nachfrage, die allgemein größer ist als das Angebot, beherrscht den internationalen Wollmarkt und hebt die Preise dauernd. Das internationale Wollsekretariat in London meldet, daß der „Anfangsstock“ von 1946 von 4990 Mill. lbs in der Mite dieses Jahres auf 2730 Mill. gesunken sein wird, da die Produktion geringer als der Verbrauch ist, Die Jahresproduktion der letzten Wirtschaftsjahre konnte nur etwa vier Fünftel des laufenden Verbrauches decken, Während das letzte Fünftel den Vorräten entnommen werden mußte, und das heißt, daß von fünf Spindeln vier aus der laufenden Erzeugung und eine aus den ständig schrumpfenden Wollvorräten unterhalten wird, die zum größten Teil aus gröberen und fehlerhaften Qualitäten bestehen.

Mit diesen Problemen hat sich kürzlich der 18. internationale Wollkongreß in Florenz befaßt, der von 300 Delegierten aus 14 Ländern beschickt war. Sein Präsident Maurice Dubrulle verlangte als dringendste Maßnahmen zur Hebung der Wollproduktion: Abbau der Zollschranken, Erreichung einer neuen Konvertibilität der Währungen, „Liberalisierung“ der Devisenwirtschaft und Zollpolitik und engste Zusammenarbeit zwischen den Wolle produzierenden und verarbeitenden Ländern. Der Kongreß empfahl die Liquidierung der von England, Australien und Südafrika geschaffenen Joint Organisation for Wool Distribution“. Die Vorräte der „Joint Organisation“, die 1945 über 10 Mill. Ballen betragen hatten, sind inzwischen – entgegen den Erwartungen, daß ihre Auflösung (wie nach dem ersten Weltkrieg) 10 bis 12 Jahre beanspruchen würde – auf 3,2 Mill. Ballen gesunken; man rechnet also damit, daß dieser „Restbestand“ in relativ kurzer Frist erschöpft sein wird.