Für die deutsche Bekleidungsindustrie und besonders für die Herstellerfirmen von Damenoberbekleidung war der Berliner Hausvogteiplatz bis zum Kriegsende anerkanntes Modenzentrum Von 570 Firmen dieser Branche, die es damals in Deutschland gab, hatten allein 500 ihren Sitz in Berlin. Das änderte sich nach 1945 grundlegend. Viele Berliner Firmen verließen den Hausvogteiplatz und siedelten sich (wie auch ausgewiesene Unternehmen aus Breslau und Stettin in Niedersachsen, in Schleswig-Holstein und in Hamburg an. Seit 1946 unternimmt die norddeutsche Bekleidungsindustrie erhebliche Anstrengungen, die Hamburger Mönckebergstraße das Erbe des Hausvogteiplatzes antreten zu lassen. Nicht immer haben die Behörden diesen Bemühungen die erforderliche Unterstützung angedeihen lassen. Aus diesem Grunde zog es eine Reihe von Firmen vor, andere Niederlassungsorte zu suchen, obwohl Hamburg günstige Voraussetzungen für die Bildung eines neues Zentrums der Konfektion bietet.

Nach der im Februar mit sehr viel Erfolg durchgeführten Hamburger Modenwoche treten jetzt 160 Firmen der Bekleidungsindustrie mit einer „Verkaufswoche der norddeutschen Bekleidungsindustrie“ an die Öffentlichkeit. Sie nahm am 27. Juni ihren Anfang und wird am Sonnabend, dem 2. Juli, abgeschlossen werden. Wenn auch die Mehrzahl der ausstellenden Firmen aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen stammt, so sind doch ebenfalls die Westsektoren Berlins, Westfalen, das Rheinland, Hessen. Württemberg, Baden und Bayern mit führender, Unternehmen der Damenoberbekleidungsindustrie in Hamburg vertreten, um sich mit neuester Herbst- und Winterschöpfungen an den Einzelhandel zu wenden. Wohl ist Hamburg die größte Stadt der Westzonen, aber leider hat es die Hansestadt noch nicht zu einer eigenen Ausstellungshalle gebracht. Die Bekleidungsindustrie war daher gezwungen, die ausstellenden Firmen auf verschiedene Ausstellungsräume zu verteilen 60 Aussteller befinden sich in der Postsporthalle (Schlüterstraße 53) und 40 Aussteller im Café „Imperator“. Weitere 60 Aussteller verteilen sich auf das Hotel „Alsterhof“, das „Esplanade“ Hotel und auf das Hotelschiff „St. Louis“. Darüber hinaus veranstalten die in Hamburg ansässigen Firmen in ihren Häusern eigene Vorführungen.

Der Bekleidungsindustrie und ihrer Verkaufswoche kann man nur einen guten Erfolg wünschen. Sie will diese „NORBI“ in Zukunft jeweils zum Frühjahr und zum Herbst abhalten Hoffentlich kann ihnen dann Hamburg zur nächsten Veranstaltung schon eine vernünftige Ausstellungshalle bieten. ww.