sische, Dichter Jean Anouilh alle seine Stücke zur Uraufführung an Andre 1 Barsacq und dessen die Schule von Charles Dullin und Jacques Copea, eine Erneuerung des Theaters vom Mimus her, ein Theater des entfesselten Schauspielercums. Barsacq: das ist eine Stilisierung der Szene, die alles Anekdotische beseitigen will, um so zum rein Menschlichen, zum Wesentlichen zu kommen. Barsacq: das ist schließlich und vor allem in seinem "Atelier", dem klassischen Avantfarde Theater auf dem Montmartre, die Verörperung der jungen, zukunftsträchtigen Kräfte, des französischen Theaters, das ist zugleich in sein® Liller" "Centre dramatique du nord" eine Erneuerung des Theaters vpm Zuschauer, vom noch unverbildeten Provinzpublikum her; und das ist — alles in allem — eine Synthese au Tradition und Modernität, aus durchgefeiltester Sprechkultur und einem- fast tänzerisch pantomimisch bewegten Komödienstil; 1 Jetzt ist Andre Barsacq mit seinem Ensemble, dassich auf einer Tournee durch Europa und Afrika befindet; auch nach Heidelberg umd einigen Änderen süddeutschen Städten gekommen und zeigte hier Anouilhs 1947 uraufgeführt gehörig.

1 Wie aus dem" Panoptikum geholt, so teilt Barsacq die Figureh des- Stückes hin; ein gespenstisches Fin de siede in grotesker Verzerrung Vor dem Jugendstil Schwulst eines Wintergartens aus Palrnwedeln und geschmiedeten Eisengitteni gespielt, in auffällig bunten Kostümen, von dersinnlich raffinierten Begleitmusik von Franepis Poulenc untermalt. So läuft der Schloßball in einer wahren Treibhausluft ab: und wieder einmal geht es bei Anouilh um junge Menschen voll klarer, reiner Ideen, die mit einer irerstaubten, verlogenen Decadence konfrontiert nd = Der dramatische Höhepunkt wohl Ist die Szene, in der die arme Tänzerin und der reiche Börsenjobber am Boden knien und die Geldscheine zerreißen, die reine Unschuld den zynischen Skeptizismus besiegt hat, und hinter ihnen die Banknoten wie ein Konfettiregen im Fasching innlos verfliegen. Ciaire Muriel spielt diese Isabell wie eine Halbschwester der Antigone, und Luden Bargeon ist der ostjüdische "Messerschaianu", der hier zum ersten Male dem NichtKäuflichen begegnet, eine fast tragische Figur sias Wachsfigurenkabinett einer käuflichen Gesellschaft, inmitten der das Zwillingspaar HoraceFr£derie steht: eine schier atemberaubende Doppelrolle für (den vom Film her bekannten) Gilhert Gil, der kaltherziger Intrigant und ein neuer schwärmerischer "Jean de la lum" zugleich sein kann. Doch trotz alle? brillanten schauspielerischen Einzelleistuogen bleibt die Truppe Barsacqs eine "equipe" im besten Sinne des Wortes. In einer Aufführung, die Maßstäbe gibt und Maßsäbe zurechtrücken kann, vor allem für künftige deutsche Anouilh In izenierungen, Wenige Tage später zeigte der Filmklub Heidelberg den Film sden. Jean Anouilh nach seinem Theaterstück selbst geschrieben und auch selbst Inszeniert hat. Eine authentische Interpretation also, wenn auch mit anderen künstlerischen Mitteln als denen des Theaters gestaltet. Filmisch trotz einem Aufgebot bester Bühnendarsteller: Pierre Fresnay 1s Gaston, Pierre Renoir ab seinem. Bruder, Sylvie als der Mutter und — der für diese Rolle za jungen — Blanchette ßrunoy als Valentine. Schon der Beginn ist mit gleichsam visionärer Dichte gezeichnet; die ganze "pi&ce noire" auch optisch in ein fahles Gra gesteüt, dos die düsteren gesellschafekritischen Aspekte betont. Dennoch bleibt alles Spiel um des Spieles willen. Da sitzt jede Farbe uod jeder Efiekt — und zeigt Anouilh als den dramaturgischen Schüler von Scribe und Sardou, der aber durch die Geistesbruderschafcmit Giraudoux zm Dichter gereift ist. j