St. Georg ist der Ritter, der einen Drachen besiegte. In Hamburg trägt ein Platz in der Nähe des Hauptbahnhofs seinen Namen. Auf diesem Platz steht ein Häuschen. Neu. Eigentlich ist es nur ein Büdchen. „Eis“, steht mit großen roten Buchstaben auf den hellen Wänden. Eine rote Fahne hängt über einem Fenster, einige Buchstaben in Weiß darauf.

Beim Näherkommen liest man „Eis“ auf der Fahne und „rendezvous“ über der Tür. An der Wand hängt ein Zettel „Liebe 4711“. Kein Eisrezept. Eine kabarettistische Revue. „Rendezvous mit St. Georg“ künden die Tischkarten an.

Da haben sich seit wenigen Tagen ein paar mutige Leute zusammengetan, um ritterlich wie St. Georg gegen den Drachen zu kämpfen. Der hat viele Köpfe: „Bürokratie, parteipolitische Eingleisigkeit, Dummheit des Intellektuellen, Gefühlsarmut“ – – ach, wie viele Köpfe!

Der Mensch ist nach 1933 kabarettfremd geworden. In Hamburg hat es Willi Schaeffers „Kabarett der Komiker“ erfahren müssen. Und dennoch wagen es im „rendezvous“ ein paar Avantgardisten, die allenthalben in Deutschland versteckt gehaltene schmutzige Wäsche der Öffentlichkeit vorzuweisen. Sie tun es mit Geschmack und mit sorgfältiger Hut vor Trivialitäten, sowohl in den Texten (von Peter Ahrweiler, Balduin III, Dieter Korp, Dirks Paulun und Thierry) als auch in deren Darbietungen.

Möge St. Georg ihnen beistehen! Denn der Drachen sind so viele Now.