Werfel-Erstaufführung in Oldenburg

Das kleine norddeutsche Oldenburg ist eine Theaterstadt, der wir ein Kompliment machen müssen: es besitzt ein ausgezeichnetes Theater und ein noch besseres Publikum. Intendant Dr. Gerd Briese konnte es hier wagen, Brittens „Raub der Lukrezia“ zur Diskussion zu stellen. So fand auch Franz WerfelsSchauspiel „Der veruntreute Himmel“ bei seiner Erstaufführung den lebhaftesten Widerhall.

Wie erkaufe ich mir einen Platz im Himmel? ist das „Problem“ dieser „Komödie einer Tragödie“. Im Mittelpunkt agiert die so typisch amerikanisch skizzierte Allerweltsköchin Teta Linek, eine der überzeugendsten Gestalten Werfelscher Dichtkunst. Naivität und warme Menschlichkeit verbergen sich hinter der herben Maske der altjüngferlich verschrobenen Sechzigerin. Ihr Neffe soll einmal später für ihre Seele beten; dafür opfert sie ihre Ersparnisse, wird betrogen und erkennt, daß sie ihn nie geliebt hat, ja, daß nur ihr „gläubiger Egoismus“ sie veranlaßte, ihn zur Predigerschule zu schicken. Der Papst verzeiht und sie darf in den Himmel – wenn auch nur durch eine Hintertür.

L. Bush-Jekete und Mary Helen Fay bearbeiteten diese köstliche Episode äußerst bühnenwirksam. Vom Dachzimmerchen bis zur Pilgerfahrt sieht sich der Zuschauer von Witz, von weisen Gesprächen und doppelbödigen Betrachtungen begleitet; fast ist es ein rührseliges Volksstück „mit Moral“. Berechtigter Beifall dankte Ella Rameau als Teta für eine ausgezeichnete Leistung. Dr. Gerd Briese zeichnete für die werkgetreue Inszenierung. Kurt Reuter