Kopenhagen, Anfang Juli

Dänemark feiert. Ja, die Dänen kommen aus dem Feiern, gar nicht mehr heraus. Kaum ist das Hundertjahrjubiläum der von Frederik VII. im Jahre 1849 gegebenen Verfassung vorüber, da besinnt sich die Carlsberg-Brauerei, daß sie hundert Jahre lang besteht! Auch darüber herrschte Jubel in ganz Dänemark. Denn mehr als das Doppelte aller dänischen Brauereien zusammen wird von Carlsberg exportiert, der über viertausend Menschen in seinem Betriebe beschäftigt. Zum hundertsten Geburtstage der Firma kam des Begründers Bild sogar auf die Briefmarke, und als ich im Frederiksborger Schloß die Kunstschätze bestaunte, fand ich Carlsbergs Bild inmitten bedeutender dänischer Staatsmänner und Gelehrter. Immerhin, er hat der Kopenhagener Glyptotek und dem Frederiksborgmuseum einst höchste Zuwendungen gemacht. „Drum, spricht die Tante, hängt er hier!“...

Dänemarks älteste Zeitung „Berlingske Tidende“ feierte den zweihundertsten Geburtstag. Das „Kongelige Teater“, ebenfalls zweihundert Jahre alt, feierte, und ganz Dänemark feierte mit. Die Dänen feierten, als die letzten deutschen Flüchtlinge Dänemark verließen. Aber die Dänen arbeiten auch. Nahe dem Ingenieurhaus in Kopenhagen entsteht das Ritchmondhotel, am Hafen das Codan-Hotel, sieben Stock hoch, und eins der originellsten Hotels der Erde ist in Dänemarks Metropole längst als Nothotel in Betrieb genommen: das Østerporthotel. Längs der Eisenbahnschienen am 0sterport zieht es sich hin, kilometerlang –: eine Baracke. Dieses Barackenhotel, täglich ausverkauft, von eleganten Weltbürgern bewohnt, ist das teuerste Hotel der Stadt und zugleich fast das primitivste.

In Frederikshavn wie in den anderen früheren deutschen Flüchtlingszentren stehen jetzt Baracken zum Verkauf. Sie sollen bis zu 25 000 Kronen kosten. Aber keiner will sie zu diesen hohen Preisen haben.

Im übrigen atmet Dänemark auf. Und tief Atem holt jeder Däne, wenn er das Portemonnaie öffnet: es ist alles so teuer was man in den vollen Auslagen der Geschäfte sieht. Aber man kauft und schließt sich ans Vaterland, das teure, an ... Gerhard Krause