Die Arbeitslosenzahl in Hamburg hat Mitte Juni mit 50 465 (8 v. H. aller Arbeitnehmer) den höchsten Stand seit der Währungsreform erreicht. 37,4 v. H. hiervon entfallen auf die Angestelltenberufe, von denen heute jeder Zehnte arbeitslos ist. 80 v. H. dieser erwerbslosen Angestellten sind über 35 Jahre. Infolge der überdurchschnittlich hohen Angestelltenquote im inneren Wirtschaftsaufbau Hamburgs (31 v. H. aller Arbeitnehmer in Hamburg entstammen dem Angestelltenberuf – aber nur 21 v. H. in der britischen Zone), wird eine Belebung der Wirtschaft zunächst nur den Erwerbslosen der gewerblichen und handwerklichen Berufe zugute kommen, während bei den Angestellten mit weiterem Ansteigen der Arbeitslosenzahl gerechnet werden muß. Darum nahmen sich Vertreter des Landesarbeitsamtes, der Arbeitgeberverbände, der Handwerkskammer und der Gewerkschaften vereint der Frage der erwerbslosen Angestellten unter besonderer Berücksichtigung der älteren Jahrgänge an. Auf Anregung von Senator Eisenbarth wollen sie einen Weg finden, der ohne „gesetzlichen Zwang“ das Los der älteren erwerbslosen Angestellten erleichtert.

Den Forderungen der Gewerkschaften nach gesetzlichen Maßnahmen (Beschäftigungssoll analog dem Schwerbeschädigten-Schutzgesetz) stehen die trüben Erfahrungen vergangener Jahre mit dem „Zwang von Oben“ und die Kassenlage der Unternehmer gegenüber. Es werden bei den Arbeitsämtern leider fast ausschließlich jüngere Jahrgänge angefordert. Trotzdem ist zu hoffen, daß in der gebildeten Kommission zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften bald ein Weg gefunden wird, diesem besonders in Hamburg ernsten Problem erfolgreich zu begegnen. Wenn die verschiedenen Meinungen und Forderungen in dieser Frage nicht auf parteipolitischer Ebene, sondern in ernster Sorge um das harte Los der arbeitslosen älteren Angestellten ausgefochten werden, dürfte ein Erfolg nicht ausbleiben. S.