Das New Yorker Wallstreet Journal schrieb, es sei jetzt klar, daß die Sowjets nicht die Absicht hätten, Westeuropa anzugreifen. Die Politik des State Department sei daher „rein negativ und nichts anderes als eine Politik der Verzweiflung“. Das Blatt wendet sich gegen das Budget in „unglaublicher Höhe“ zur Aufrechterhaltung der USA-Militärmacht, gegen eine Aufrüstung Westeuropas und den Gedanken, eine geschlossene amerikanisch-westeuropäische Wirtschaft aufzubauen. Diese Stellungnahme erregte in politischen Kreisen erhebliches Aufsehen, weil man in ihr einen Stimmungsumschwung der amerikanischen Großfinanz zu erkennen glaubt.

Im amerikanischen Senat begann die Debatte über die Ratifizierung des Atlantikpakts. Um den bereits vorhandenen Widerstand gegen den Pakt nicht weiter zu fördern, soll die Vorlage über das militärische Hilfsprogramm für Westeuropa erst nach der Ratifizierung des Atlantikpaktes dem Kongreß zugeleitet werden.

Der amerikanische Staatshaushalt für das abgelaufene Haushaltsjahr weist ein Defizit von 1,8 Milliarden Dollar auf. Dem Abschlußbericht zufolge erreichten die Ausgaben im vergangenen Jahr eine Rekordhöhe, während die Einkünfte die niedrigsten seit fünf Jahren waren.

Dem Verteidigungsausschuß der Westunion soll, Newsweek zufolge, ein Bericht vorgelegt worden sein, wonach amerikanische Registrierapparate im Laufe der letzten Monate verschiedene Atomexplosionen in Sibirien und Zentralasien verzeichnet haben.

Der sowjetische Außenminister Wyschinski erklärte in einer Stellungnahme zur Pariser Außenministerkonferenz, daß die Sowjetunion zu größeren Zugeständnissen an die Westmächte bereit sein würde, wenn auch die Westmächte Zugeständnisse machten.

*

Marschall Tito traf in Begleitung zahlreicher jugoslawischer Kabinettsmitglieder auf der Adria-Insel Brioni ein, wo er angeblich Besprechungen über eine Annäherung Jugoslawiens an den Westen führen soll.