Eingaben, Resolutionen, Beschwörungen, Bitten – es hat alles nichts genützt. An der Ruhr wird weiter demontiert. Bevins „Wo“, diesmal nicht weniger deutlich als ein „Njet“ Molotows, hat die letzten Hoffnungen, die doch immerhin auf wirtschaftlicher Vernunft basierten, zunichte gemacht. Nicht der europäische Aspekt, die Macht hat entschieden.

Es bleibt nun nichts weiter übrig, als nüchtern die Folgen der Ursache „britische Demontage-Politik“ zu registrieren. Und hier ist bereits die erste Auswirkung: weil die August-Thyssen-Hütte jetzt doch vernichtet wird, ist der Feinblech-Engpaß so bedrohlich geworden, daß die sehnlich erwarteten Investitionskredite aus den Counterpart Fonds – endlich sind sie da – nun mit Schwerpunkt „Neuaufbau von Feinblech-Kapazität“ eingesetzt werden müssen. Dabei handelt es sich immerhin um die stattliche Summe von 35 Mill. DM als erste Rate aus der vorgesehenen Jahresquote von 263 Millionen.

So erhärtet sich die uralte Formel für die Demontagen, daß die Amerikaner und die Deutschen geben, daß Großbritannien nimmt – und Europa verliert. Wie anders, vielleicht konzilianter, sollte man es ausdrücken? Wir geben Produktionskapazität hin, mit der Folge, daß die Arbeitslosenziffer nicht nur in den direkt betroffenen Betrieben sprunghaft wächst, sondern auch die nachgeordneten Produktionszweige empfindlich zu leiden haben. Die Folgen dieser Folgen aufzuzeigen, ginge zu weit. Das Thema ist schon oft genug behandelt worden. Letztlich wird das gesamte westdeutsche Wirtschaftsgefüge, sehen wir von den politischen Wirkungen ganz ab, in seiner mühsam gewonnenen Harmonie gestört

Nun, die Briten mögen sagen, daß ihnen Sicherheit wichtiger sei als der Aufbau der deutschen Wirtschaft. Es liegt nicht in unserer Macht, dies widerlegen zu dürfen. Das Für und Wider der Argumente ist, scheint es, nicht zu überbrücken. Was aber müssen – und diese Frage ist immer wieder zu stellen – die Amerikaner denken? Sie pumpen Dollars nach Europa. Sie schenken Dollars; sie organisieren dazu noch, als Anwalt des europäischen Wiederaufbaues, ihre Dollarhilfe. Und, das wollen wir doch nicht vergessen, Garioa und ERP zählen doppelt; denn die DM-Gegenwerte der amerikanischen Lieferungen sind heute die wichtigste Quelle unserer Kapitalbildung, Statt dieses Geld nun nach den Europa-Richtlinien einzusetzen, wonach wir bis 1952 den „Normalstand“ der industriellen Produktion von 1936 um 15 v. H. überschreiten sollen, muß es jetzt dazu dienen, ein Loch zu stopfen. Dazu sollten aber die indirekten Dollars zu schade sein.

Ob es nicht doch gelingen sollte, nachdem uns schon wirtschaftlich Resignation zu befallen scheint und politisch der Osten ob der Radikalisierung der Massen an der Ruhr frohlockt, die USA noch, einmal zur Intervention zu bewegen?

W–n,