Mit Staunen und Spannung hat die Welt die Herstellung des Fünf-Meter-Riesenspiegels für das größte Spiegelteleskop der Erde auf dem Mount Palomar in Kalifornien verfolgt. Seit 1928 arbeitete der amerikanische Astronom Haie an dieser komplizierten Apparatur zur Erforschung des Weltalls, was nicht nur Dollarmillionen verschlang, sondern auch Jahrzehnte in Anspruch nahm. Haie erlebte die Vollendung nicht mehr. (Er starb 1938.) Erst am 2. Dezember 1934 fiel der Guß befriedigend aus. Doch der ungeheure, 18 Tonnen schwere Glasblock brauchte, um innere Spannungen zu vermeiden, eineinviertel Jahr bis zu seiner Abkühlung und konnte erst im März 1936 von den Oststaaten nach Pasadena in Kalifornien transportiert werden.

Hier begannen sofort die mühseligen und langwierigen Schleif- und Polierarbeiten. Bis zum Kriegsausbruch waren rund zwei Tonnen Glasmaterial aus dem Rohkörper herausgeschliffen. Im Winter 1946/47 schien man vor dem Abschluß der Arbeiten zu stehen. Aber die Prüfung ergab an einer Stelle einen Fehlschliff um einen tausendstel Millimeter, so daß man den ganzen Spiegel noch einmal nachschleifen mußte. Fast ein Jahr später rollte endlich das immer kostbarer gewordene Stück Glas auf dem Mount Palomar an, wo ihm der eigentliche Spiegelbelag, eine hauchdünne, nur hunderttausendstel von Millimetern starke Aluminiumschicht aufgedampft wurde, zu deren Schutz noch eine feine Quarzschicht aufgetragen werden mußte, die der Spiegelfläche etwa 25 Jahre Lebensdauer verleiht. Erst jetzt konnte die kostspielige Optik eingebaut werden. Das Teleskop – es wiegt, mit Zubehör 450 Tonnen – ist derart kunstvoll montiert, daß ein Nähmaschinenmotor zu seiner Bewegung ausreichen würde.

Nun sind die ersten Beobachtungen und Aufnahmen mit diesem „Über“-Instrument durchgeführt worden. Aber statt Aufsehen erregender Entdeckungen haben sie große Enttäuschungen gebracht. Der Leiter des Observatoriums, Bowen, gab Einzelheiten bekannt: Der Riesenspiegel hat seine Parabelform nicht in allen Lagen behalten, sondern sich durchgebogen, ein Defekt, der inzwischen an den 36 Stützen der Spiegelfassung ausgeglichen werden konnte. Jetzt ergab sich aber ein neuer, größerer Fehler, und zwar am Spiegelrand, dessen Fläche sich um ein zwanzigmillionstel Zoll als zu hoch erwies. Und schließlich hat sich als schlimmstes Übel herausgestellt, daß der Spiegel die Temperaturschwankungen nicht gleichmäßig mitmacht, sondern sich zonenweise deformiert. Alle diese Fehler bewirken, daß der Spiegel unscharfe, verzerrte Sternbilder liefert, die für Forschungszwecke unbrauchbar sind.

Ein Stab von Technikern und Wissenschaftlern bemüht sich, die Defekte zu beseitigen – Kinderkrankheiten, die auch das Zweieinhalb-Meter-Teleskop vom Mount Wilson zehn Jahre durchmachte, bis dem Hamburger Atsronomen Baade glanzvolle Forschungsaufnahmen gelangen. Man hofft, im Herbst dieses Jahres mit der planmäßigen Beobachtungsarbeit auf dem Mount Palomar beginnen zu können.

Nach den ersten triumphierenden Meldungen wirken diese Nachrichten ernüchternd. Sie zeigen, daß der Mensch derart überdimensionierten Instrumenten praktisch noch gar nicht gewachsen ist und daß es eine Grenze gibt für den Bau von Riesenteleskopen. Werner Heybrock