Mit dem Tode Georgi Dimitroffs, der dieser Tage in einem russischen Krankenhaus sechsundsechzigjährig an einem durch Zuckerkrankheit komplizierten Leberleiden gestorben ist, hat eine klassische Revolutionär- und Abenteurerkarriere ihr Ende gefunden. Dimitroff gehörte noch zu jener Generation kommunistischer Verschwörer, die dieses Abenteurertum voll auskosten konnten, weil ihre bald legale, bald illegale Opposition, ihre Putsche und Attentate gegen bürgerliche Staaten gerichtet waren, deren Gerichtshöfe, wenn es dazu kam, meist dem politischen Delinquenten gegenüber starke moralische Hemmungen hatten. So ist es zu verstehen, daß Dimitroff, der schon als Setzerlehrling zu Beginn des Jahrhunderts marxistischer Aktivist war, alsbald die Lehren von Lenin annahm, an der Gründung der bulgarischen kommunistischen Partei teilnahm und 1923 den Aufstand in Sofia dirigierte, zwar mehrfach verurteilt, doch niemals für längere Zeit seiner Laufbahn entfremdet wurde.

Hoch begann sein Stern zu steigen, als er mit zwei anderen bulgarischen Kommunisten neben van der Lübbe und Torgler im Reichstagsbrandprozeß auf der Anklagebank erschien und nach einer ebenso mutigen wie geschickten Verteidigung freigesprochen wurde. 1934 kam er zum zweiten Male nach Moskau, wurde bald Generalsekretär der Komintern und erwarb sich nach und nach das Vertrauen Stalins, zu dessen Generation er gehörte. Als die Sowjetregierung im Kriege die Komintern formal auflöste, um Roosevelt eine moskaufreundliche Propaganda zu ermöglichen, wurde es still um ihn, er mußte eine Zeitlang anonym an Balkan- und Nahostfragen arbeiten. Aber schon 1944, als die Rote Armee Bulgarien besetzte, tauchte er wieder als Generalsekretär der bulgarischen KP auf und steuerte dann mit sicherer Hand innerhalb von 2 1/2 Jahren das Koalitionsschiff in den kommunistischen Hafen. Am Rande dieses politischen Weges liegen nicht nur die Gräber von zahllosen Mitgliedern früherer bürgerlicher Regierungen und Parlamente, sondern auch die seiner eigenen Koalitionsgenossen aus der Zeit der Vaterländischen Front, die Opfer der Dimitroffschen Volksgerichte. Ihm selbst ist es beschieden gewesen, im Bett zu sterben – eine Todesart, die unter den Top-Kommunisten immer seltener wird, seit sie ihre Intrigen nicht mehr in moralisch gehemmten bürgerlichen Staaten, sondern im Vaterland der Werktätigen und seinen Filialen spinnen. H. A.