Uns wird geschrieben:

Über die Ende Mai zur Zeichnung aufgelegt Reichsbahnanleihe ist – auch in der Presse – ein lebhaftes Für und Wider entstanden. In den Publikationen wurden zum Teil Vergleiche zwischen der Ausstattung der Anleihe mit einen 6prozentigen Zins und der Verzinsung der Spareinlagen angestellt. Diese Vergleiche würden die Spareinlagenzinsen bei oberflächlicher Betrachtung etwas in den Schatten stellen. Es braucht in diesem Zusammenhang wohl nicht darauf eingegargen zu werden, daß die Zinsen für langfristige Spareinlagen tatsächlich immer noch zu niedrig liegen. Die zur Zeit laufenden Verhandlungen, den Zinssatz für die den Instituten für Spareinlagen zugeteilten Ausgleichsforderungen von 3 auf 4 1/2 % heraufzusetzen, geben zu der Hoffnung Anlaß, daß der Zinssatz für Spareinlagen in absehbarer Zeit dem hohen „Preis“ für Geld und Kapital angeglichen werden kann.

Trotzdem sind die Zinssätze auch heute nicht so niedrig, wie sie der Verfasser des Artikels über die Reichsbahnanleihe „Es lohnt sich“ (Nr. 23 vom 9. 6. 1949) darstellt. Es wurde von dem (süddeutschen) Einsender offensichtlich übersehen, daß u. a. in den Ländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und in der Hansestadt Hamburg der derzeitige Höchstzinssatz für Spareinlagen immerhin 4% beträgt. Außerdem heißt es in dem zitierten Artikel, daß die Beträge auf Anlagekonten frühestens am 1. 1. 1954 freigegeben und während der ganzen Zeit mit weniger als 2 v. H. (als Sichteinlagen) verzinst werden. Der Verfasser hat – vielleicht unter dem Motto „Übertreibung veranschaulicht“ – die 3. DVO zum sogen. Festkontengesetz außer acht gelassen. Hiernach werden eindeutig die Guthaben auf Anlagekonten tatsächlich am 1. 1. 1954 Freikonten, also freigegeben, und bis zu diesem Zeitpunkt mit 2 1/2 %verzinst. Es ist jedenfalls besser, die aufgelegte Reichsbahnanleihe objektiv und nicht /durch eine rosarote Brille zu betrachten, denn niemand kennt zum Beispiel heute schon die zukünftige Kursnotierung dieses Papieres. Außerdem erwachsen später dem Verkäufer der Stücke, besonders aber der Zertifikate für kleinere Beträge, Kosten (Börsenumsatzsteuer, Courtage), die den Ertrag mindern und den so günstig erscheinenden Vergleich zu den Spareinlagen mindestens in Frage stellen dürften. K–g