Kommunistenjagd in USA

Die Kommunistenjagd in USA hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Die Pirsch der Bundespolizei, des Komitees für unamerikanische Umtriebe und des amerikanischen Geheimdienstes galt bisher lediglich kapitalen Stücken, kommunistischem Edelwild. Ein allgemeines Kesseltreiben hat noch nicht begonnen. Die Kommunistische Partei in den USA ist zahlenmäßig klein. Ihren größten Erfolg seit ihrer Gründung 1919 erreichte sie bei der Präsidentenwahl 1932 mit 103 000 Stimmen. Das Schwergewicht der Parteiarbeit liegt daher nicht auf der Bearbeitung der Massen, sondern auf individueller Kleinarbeit, mit dem Ziel, zuverlässige Anhänger in möglichst wichtige Stellen der staatlichen und öffentlichen Dienste zu bringen.

Als erste Maßnahme wurden daher seit Herbst 1947 zwei Millionen Angestellte der Bundesregierung auf ihre politische Zuverlässigkeit hin überprüft. Diese nunmehr nahezu abgeschlossene Aktion hatte zur Folge, daß 595 Angestellte freiwillig von ihren Ämtern zurücktraten, 68 entlassen wurden und in 91 Fällen noch entschieden werden muß. Sensationsprozesse wie der gegen Alger Hiß aus dem State Department – in dem sich die Jury über einen Schuldspruch nicht einigen konnte und der jetzt nach etwa sechswöchiger Dauer und riesigen Unkosten noch einmal ganz von vorn aufgerollt werden soll – und Judith Coplon aus dem Department of Justice führen dabei dem „Babbitt“ immer wieder das Schreckgespenst der kommunistischen Fünften Kolonne drastisch vor Augen. Zur Sicherung werden fortan Neueinstellungen von der Vorlage einer Unbedenklichkeitsbescheinigung der Geheimen Bundespolizei und der Abgabe einer eidesstattlichen Erklärung über Nichtzugehörigkeit zur Kommunistischen Partei abhängig gemacht.

Ist auch durch alle diese Maßnahmen das Betätigungsfeld der Kommunistischen Partei wesentlich verkleinert, so bleibt doch eine Lücke: die ausländischen Kommunisten. Der Fall Eisler bewies zwei daß das FBI auch in diesem Punkt nicht mit sich spaßen läßt, aber selbst ausgesprochen antikommunistische Einwanderungs- und Einreisebestimmungen der USA müssen ihre Wirkung verfehlen gegenüber Mitgliedern der diplomatischen und konsularischen Vertretungen kommunistischer Staaten. Ihre Zahl wurde zwar auf Vorstellung der amerikanischen Regierung seit dem vorigen Jahr auf etwa ein Achtel herabgesetzt. (Nicht alle gingen dabei gern in das Sowjetvaterland zurück. Die sowjetische Lehrerin Kosenkina sprang lieber aus dem Fenster.) Aber es, blieben immerhin noch etwa 240 Sowjetrussen in den USA, von denen ungefähr 30 dem UNO-Sekretariat angehören. In diesem Sekretariat arbeiten außerdem noch etwa 70 Staatsangehörige anderer kommunistischer Staaten. Von den 300 bei der UNO akkreditierten Pressekorrespondenten vertreten etwa 15 kommunistische Zeitungen. Aus guten Gründen richtet der amerikanische Geheimdienst seine besondere Aufmerksamkeit auf diese Elitekommunisten. Wie recht er hiermit hat, beweist der gerade laufende Prozeß gegen Judith Coplon.

Entscheidend für das Schicksal der Kommunistischen Partei in den USA dürfte aber vor allem ein Prozeß sein: das Verfahren gegen elf ihrer Führer, das seit über fünf Monaten vor einem New Yorker Gericht geführt wird. Der bisherige Verlauf läßt kein Ende absehen. Sollte die Beweisaufnahme jedoch ergeben, daß die von der Anklagejury vorgebrachten Beschuldigungen zutreffen, wonach die Angeklagten „untereinander und mit anderen Personen konspiriert haben“, um eine Verschwörung zu organisieren, „welche den Sturz und die Vernichtung der Regierung der Vereinigten Staaten durch Zwang und Gewalt“ lehrt und verteidigt, dann dürfte das Ende der Kommunistischen Partei in den Vereinigten Staaten gekommen sein. Die Treibjagd könnte beginnen ...

Ernst Krüger

Der Coplon-Prrozeß