DIE ZEIT

Auf dem Rücken der Flüchtlinge

Es ist soweit. Der deutsche Westen beginnt müde und satt zu werden. Und seine Ignoranz gegenüber dem Elend im deutschen Osten hat nun sogar dazu geführt, daß eins der Grundprinzipien von Demokratie und Menschlichkeit – die man doch aller Tage gern im Munde führt – von einem Parlament achtlos beiseite geschoben wurde.

Nürnberger Alibis

Daß man vor Gericht die Verbrecher nicht fand, ist schon vorgekommen. Kaum aber dürfte die Geschichte es erlebt haben, daß man zweifelnd fragt: Wer waren die Richter? – Ähnlich so hat nämlich der Bischof von Chichester gefragt, dem der Staatssekretär im britischen Außenministerium, Lord Henderson, antwortete.

Keine Chance für politische Abenteurer

Gibt es bei uns eine Chance für politische Abenteurer? Sie scheint hier und da gewittert zu werden, zumal von Männern, von denen man annehmen sollte, sie seien froh, in Vergessenheit geraten zu sein.

Erschließung Afrikas

Die Projekte zur Erschließung Afrikas – teils geplant, teils schon begonnen – sind grandios, um nicht zu sagen phantastisch.

Soekarnos Triumph

Merdeka“ – der Ruf nach Freiheit ist in Erfüllung gegangen. Über Djokjakarta weht wieder, die rot-weiße Fahne der Republik. Damit sind von holländischer Seite alle Voraussetzungen erfüllt, von denen Indonesien seine Teilnahme an einer, für August vorgesehenen Round-Table-Konferenz in Den Haag geknüpft hat, auf der die „Übergabe der völligen und bedingungslosen Souveränität an alle Völker Niederländisch-Indiens“ und die Erhebung der Republikindonesien zum gleichberechtigten Partner Hollands unter dem gemeinsamen Symbol der Krone bis Jahresende in die Wege geleitet werden soll.

Britische Dollar-Diplomatie

Als im Kriege Englands Dollar-Reserven fast erschöpft waren, kam die Leih- und Pacht-Hilfe. Als nach dem Kriege England amerikanische Waren brauchte, ohne dafür zahlen zu können, kam der Milliarden-Kredit.

Wahlmüde SED

In Westdeutschland hat der Wahlaufmarsch für die erste deutsche Bundeswahl begonnen. Im sowjetbesetzten Deutschland herrscht dagegen dunkles Schweigen, obwohl im Frühherbst dieses Jahres jene allgemeinen Wahlen fällig sein müßten, die schon voriges Jahr von der SMA um zwölf Monate verschoben worden sind.

DIE WOCHE

In einem mit Spannung erwarteten Halbjahres-Wirtschaftsbericht an den Kongreß teilte Präsident Truman mit, die amerikanische Regierung sei bereit, die im Bundeshaushalt vorgesehenen Ausgaben zu überschreiten, um den Rückgang in der amerikanischen Wirtschaft im vergangenen halben Jahr aufzuhalten.

Die ständige Frage: „Und was kommt nun?“

Sehnse“, sagte der Straßenbahnschaffner, als die Elektrische die Potsdamer Straße in der Höhe des ehemaligen Prunkhauses des Fremdenverkehrs durchfuhr, und rechnete im Kontrollbuch seine Fahrscheine ab, „hier ist aufgeräumt worden.

Tito und die Kapitalisten

Die wachsende Bedrängnis, in die das TitoRegime durch die wirtschaftliche Blockade der Kominformländer geraten ist, hat das Verhältnis zwischen Jugoslawien und den Westrnäehten offensichtlich aufgelockert.

Johst gegen Johst

Hanns Johst, einstmals repräsentativer Dichter und kultureller Hauswart des „Dritten Reiches“, stand als einer der letzten vor der Spruchkammer.

Die Angst vor der Fünften Kolonne

Die Kommunistenjagd in USA hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Die Pirsch der Bundespolizei, des Komitees für unamerikanische Umtriebe und des amerikanischen Geheimdienstes galt bisher lediglich kapitalen Stücken, kommunistischem Edelwild.

Theater auf Reisen

Der „deutsche Festspielsommer“ gehört der Vergangenheit an. Um so aufmerksamer verdient eine Einrichtung beachtet zu werden, die nach zwei Anläufen in den Reichsmark-Jahren ausgerechnet in der verschärften Theaterkrise dieses Jahres zu Ruf und Glanz und klingendem Erfolg gelangt ist: die Ruhr-Festspiele in Recklinghausen.

Begegnung an der Elbe

Mit den aufleuchtenden Worten: „Sie hören selbst, Sie sehen selbst –: also urteilen Sie selbst“ beginnt in dem großen Uraufführungskino Babylon im Ostsektor Berlins die Wochenschau „Der Augenzeuge“, und dann folgt der Mosfilm „Begegnung an der Elbe“ nach dem vieldiskutierten Theaterstück „Oberst Kusmin“ der Gebrüder Scheinin.

Bonner Hindernisrennen

Die straffe Zentralisierung der Kommandostäbe unseres sich sonst so gern föderalistisch gebenden Parteilebens hat nicht wenig zu dem mangelnden Interesse breiter Bevölkerungskreise an den Vorgängen der deutschen Politik beigetragen.

Babylonische Sprachverwirrung

Im diesen Blättern haben wir – vier Wochen sind’s her – schon zitiert, was Thomas Mann in seinem Buche „Wie Dr. Faustus entstand“ berichtete: das Höllenkapitel in seinem letzten Roman sei nicht denkbar „ohne das innere Erlebnis der Gestapohaft“.

Gefährliche Wanderung

Johann V. Jensen ist der bekannteste unter den lebenden dänischen Schriftstellern. Der heute 76jährige wurde 1873 in Jütland als Sohn eines Tierarztes geboren; sein Hauptwerk ist der Roman „Die lange Reise“ (deutsch im S.

Paul Gauguin der Jüngere

Der berühmte französische Maler Paul Gauguin – wir werden uns vielleicht daran gewöhnen müssen, ihn den Älteren zu nennen – war der Sohn eines Publizisten aus Orleans und einer Halbperuanerin.

Wie ich zum Moloch wurde

Ich befinde mich in einer heiklen Lage, denn ich soll tröstend auf Ihre Klagen antworten, wie es denn wohl zuwege komme, daß Sie, eine so hervorragende Schriftstellerin, heute in Zeitungen kaum noch gedruckt würden, weil man Ihre Ausdrucksweise für „zu hoch“ halte; sie versäumen sogar nicht, mit einem überzeugenden Ausdruck tiefer Gekränktheit mich an das Urteil eines Ihrer Kritiker zu erinnern, der einmal schrieb, sie vereinten Geist mit einer fast bedenklichen Neigung zur Allgemeinverständlichkeit.

Gegen die Irrungen der Vernunft

Eintritt wegen Umbaus verboten!“ – so sollte nach einem bitteren Wort Eddingtons eine – -Tafel am Portal der heutigen Physik varnen.

Vor dem Leben

Der Dichter Wilhelm von Scholz feiert am 15. Juli seinen 75. Geburtstag, Er gehört zu den Erscheinungen unseres geistigen Lebens, die mehr in die Tiefe als in die Breite wirken, deren Rang und Bedeutung in der literarischen Welt indessen unbezweifelbar feststeht.

Die Auferstehung des Erasmus

Das Bild des Erasmus von Rotterdam ist gegenwärtig wieder stärker vor unser geistiges Auge getreten. Offenbar nicht allein, weil diese Persönlichkeit mehr als jede andere innerhalb unseres Kulturbereichs die große Problematik der vergangenen Jahrhunderte seit dem Ausgang des Mittelalters bereits kern- und keimhaft in sich birgt, sondern auch, weil sie, zwischen christkatholischer und protestantischer Geistigkeit in der Mitte stehend, besonders geeignet erscheint, eine Orientierungsmarke darzubieten für die heutigen Bemühungen um eine Wiederannäherung der so lange verhängnisvoll auseinandergelaufenen beiden Hauptlinien der abendländischen Weltansicht.

Dante ohne Autorenrechte

Traum“ und „Grand Hotel“ – nun, das sind Titel, die noch immer „ziehen“. Ezio D’Errico wußte das und macht glänzende Geschäfte.

Rückblick auf Quebec

„Dies Büro hier in einem der Wolkenkratzer New Yorks mit dem Blick auf Stadt und Hafen ist vielleicht der richtige Platz zu einer Rückschau auf den soeben beendeten Quebec-Kongreß der Internationalen Handelskammer“ – so schreibt uns einleitend Dr.

Japanischer Querschnitt

Die Reparations- und Demontageforderungen an Japan wurden bereits 1948 von 990 Mill. Yen (Wert von 1939) auf 170 Mill. Yen ermäßigt, wobei nur 13 Mill.

Krise für „Gablonz“

In den letzten Monaten hat sich der Umsatz der in die Westzonen umgesiedelten Gablonzer Industrien beträchtlich vermindert. Die Hoffnungen, die man auf die verschiedenen Messen und Ausstellungen setzte, haben sich bedauerlicherweise nicht erfüllt.

Schiedsgerichte!

Im Zusammenhang mit den Forderungen der niederländischen Regierung auf Rückgabe einer großen Anzahl deutscher Küstenschiffe ist die Restitutionsfrage wieder aktuell geworden.

Wo fließen die Dollar hin?

Für uns Deutsche, die wir bereits eine Generation „goldfrei“ leben, muß das britische Gold- und Dollarkissen von 406 Mill. £ – immerhin 5,35 Milliarden DM – recht weich und sanft erscheinen.

Das Dilemma des Lesers

Volle Regale, leere Kassen... Kann man es nicht verstehen, daß dieser unser Buchhändler sehr, sehr skeptisch ist? Er spricht nur aus, was viele seiner Kollegen denken.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Bücherkrise... Theaterkrise... Krise des Kunsthandels... es kriselt, so scheint es, überall, wo die Mittler der geistig-künstlerischen Werte auf die "Verbraucher" stoßen.

Westgroschen gegen Ostgroschen

Rowohlt, der Verleger mit den vier Lizenzen (das heißt mit dem Recht, in allen vier Besatizungszonen Bücher erscheinen zu lassen), sagte: „Ich habe in den "Westzonen ein bestimmtes Buch jetzt schon in zweiter Auflage herausgebracht. Pappband.

Urkundenbuch der Erdgeschichte

Die ersten, nur wenige Zentimeter langen Proben von Tiefseeschlamm hat im Jahre 1899 die deutsche „Valdivia“-Tiefsee-Expedition ans Tageslicht befördert.

Wer spricht noch von Kalorien?

Vor zwei Jahren, damals im Hungerwinter 1946/47 war das Wort „Kalorien“ in aller Munde. Siebenhundert Kalorien bekamen die Leute in Westdeutschlands Großstädten damals monatelang, und zweitausend gehören dazu, einen monatelang, Menschen zu ernähren, wenn er sich ruhig verhält und nicht arbeitet.

Das Arkanum der Glückritter

Berlin, Frankenthai und Ludwigsburg, in Venedig, Doccia und Capodimonte, in Chaatilly und Sevres, in Chelsea und Worcester und bald- auch. in Kopenhagen und Petersburg. In Bayern aber gerät dieses neue Material einem Künstler in die Hand.

Der König der „Maffia“

Seit über fünf Jahren herrscht „Eccellenza Giuliano über sein „Königreich“, das ungefähr 5000 Quadratkilometer sizilianischen Bodens umfaßt.

Was außerdem geschah

Die Unterschrift einer Frau steht zum ersten Male, auf den amerikanischen Geldscheinen neben der des Finanzministers: der Namenszug der Mrs.

Tiere sehen dich an

Paul Eipper war es, der die Tiere durch die Kamera ansah, die ihm reale Bilder lieferte. Christian Morgenstern, der humorvolle Weise, sah sie mit seinen bloßen Augen und fixierte die Bilder in Worten.

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