Hanns Johst, der ehemalige Präsident der Reichsschrifttumskammer, wurde von der Hauptspruchkammer München unter die Mitläufer eingestuft. – Der Anklagevertreter legte gegen das Urteil Berufung ein.

Hanns Johst, einstmals repräsentativer Dichter und kultureller Hauswart des „Dritten Reiches“, stand als einer der letzten vor der Spruchkammer. Er spielte da die gekränkte Unschuld. Die zahlreich erschienenen Entlastungszeugen handelten gewiß aus Noblesse, und es ist nicht unwahr, was einer von ihnen bezeugte, Johst habe als Präsident der Reichsschrifttumskammer verhältnismäßig anständig amtiert. Nach soviel großmütiger Entlastung muß jetzt gerechterweise auch ein Belastungszeuge zu Wort kommen, wie er vor der Spruchkammer nicht zu hören war: dieser Zeuge ist Hanns Johst selbst.

Es war im Jahre 1930 – immerhin drei Jahre, bevor sein „mythischer“ Gönner an die Macht kam –, als Johst seine Stimme in der Zeitschrift „Ja und Nein“ (herausgegeben von Prof. Eugen Kühnemann und Franz Alfons Gayda) erhob, und zwar gegen Frank Thieß. der in seinem Buch „Erziehung zur Freiheit“ den Antisemitismus als das bezeichnet hatte, was er ist: eine beschämende Barbarei. Vor allem ein Frank Thießscher Satz war es, der Johst nicht gefiel; er lautete:

„Es geht nicht an, daß jeder siebzehnjährige pommersche Inspektorssohn (vom Rassegefühl er) einfach, durch die nichtssagende Tatsache seines unjüdischen Blutes, sich für einen erlesenen Sproß Gottes hält und bei den Namen Liebermann, Rathenau oder Einstein ausspuckt

Seiner Polemik ließ Johst gleichsam als Fahne den Ausspruch eines gewissen. G. Sack voranflattern: „lieber verroht als vergeistigt!“ Was dann an eigenen „Erwägungen“ folgte, stand dem vielsagenden Zitat kaum nach:

„Es geht um die Sache des Blutes, und Blut Ist dicker wie Tinte.“ (Kein Schreibfehler! Der NS-Dichterfürst Jobst setzt souverän „wie“ statt „als“.)

„Der pommersche Junge ist mir wichtiger und wesentlicher und wahlverwandter als die drei Namen, die Sie anführen“ ... „Der pommersche Junge ist mir Symbol. Der ist der tumbe Junge, der ist Parceval...“