Daß man vor Gericht die Verbrecher nicht fand, ist schon vorgekommen. Kaum aber dürfte die Geschichte es erlebt haben, daß man zweifelnd fragt: Wer waren die Richter? – Ähnlich so hat nämlich der Bischof von Chichester gefragt, dem der Staatssekretär im britischen Außenministerium, Lord Henderson, antwortete. Frage: „Trifft die Meldung der ‚New York Herald Tribune‘ vom 23. Mai 1949 zu, daß die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse nach dem Oktober 1946 von Großbritannien und den USA gemeinsam durchgeführt wurden?“ Antwort: „Nein. Die britische Regierung ist nicht für die Kriegsverbrecherprozesse verantwortlich, die nach Beendigung des großen Nürnberg-Prozesses im Oktober 1946 in dieser Stadt durchgeführt wurden.“

International oder amerikanisch – das ist die Frage, die in Kürze dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten zur Entscheidung vorgelegt werden soll, und zwar im Falle des Flick-Prozesses, der allgemein als ein Prüfstein für die Rechtmäßigkeit der Militärgerichte in Nürnberg betrachtet wird. Das hört man zu gleicher Zeit, in der man erfährt, daß von Sachverständigen der drei westlichen Militärregierungen augenblicklich eine Amnestie für politisch Verurteilte beraten werde, wobei es freilich kurz und bündig hieß: „Verurteilte der Nürnberger Prozesse sollen nicht einbezogen werden.“

Dabei war das Verfahren der Nürnberger Gerichte im Falle der Prozesse Flick, Krupp, Weizsäcker so, daß man sich nicht wundern kann, wenn die Briten es nicht und die Amerikaner es nicht allein gewesen sein wollen. Früher sagte man: „Haltet den Dieb“, jetzt wird man sagen müssen: „Haltet das Gericht.“