Man tut gut daran, etwas Familiengeschichte zu treiben, ehe man sich mit Paul Gauguin dem Jüngeren beschäftigt.

Der berühmte französische Maler Paul Gauguin – wir werden uns vielleicht daran gewöhnen müssen, ihn den Älteren zu nennen – war der Sohn eines Publizisten aus Orleans und einer Halbperuanerin. Er war mit einer Dänin verheiratet, die es an der Seite des „Peintre maudit“ nicht mehr aushalten konnte; er suchte seinen Weg allein, er ging schließlich nach der Südsee, sie lebte mit ihren drei Söhnen Pola, Erich und Jean in Dänemark. Jean Gauguin ist heute in diesem Lande ein bekannter Bildhauer. Pola Gauguin, bekannt als Kunstsammler, Kunstkritiker und Kunsthistoriker, hat ein aufschlußreiches Buch geschrieben: „Mein Vater Paul Gauguin“, das soeben im Paul-List-Verlag in neuer Auflage erschienen ist. Pola Gauguin – der Vater von Paul Gauguin dem Jüngeren – wandte sich 1910 nach Norwegen, heiratete eine Norwegerin und ließ sich 1916 in diesem Lande naturalisieren. Paul Gauguin der Jüngere, der am 27. Januar 1911 im Hause seiner dänischen Großmutter in Kopenhagen als norwegischer Staatsbürger geboren wurde, lebte bis zu seinem 14. Lebensjahr in Dänemark und Norwegen; später kam er nach Frankreich. Es war Pola Gauguins Wunsch, seinem Sohn Paul, der den Namen des berühmten Großvaters trug, eine französische Ausbildung zuteil werden zu lassen. Mit 19 Jahren machte Paul Gauguin der Jüngere in Rouen in der Normandie sein Bakkalaureat. Danach zog er als Wandervogel einige Monate durch Deutschland und Böhmen.

Nachdem er ins Elternhaus nach Oslo zurückgekehrt war, trat er als Zeichner in die Redaktion des Osloer „Dagbladet“ ein. Plötzlich schlug das Abenteurerblut des Großvaters durch.

Der junge Paul Gauguin verließ spurlos sein Elternhaus, schlug sich über Frankreich nach Spanien durch, lebte drei Jahre lang an den spanischen Küsten zusammen mit den Fischern und arbeitete wie sie. Bald jedoch kam ihm dies Leben zu bürgerlich vor. Er wurde Tabak- und Waffenschmuggler ... „Es war ein großartiges Leben“, erzählte er mir. „Übrigens war ich in dieser Zeit auch Architekt, Baumeister und Maurer, alles in einer Person. Nach eigenen Plänen baute ich eigenhändig für einen Franzosen ein Haus. Später erst stellte sich heraus, daß es Jacques Viilain, der Mörder von Jaurès, war. Der tolle Kerl wurde in den ersten Tagen des Spanienkrieges von Feinden, die ihn aufstöberten, ins Meer geworfen und ertrank jämmerlich.“

Der Abenteurer Paul Gauguin der Jüngere erlitt eines Tages einen Unfall. Nicht, daß er etwa von der Polizei angeschossen worden wäre! Er wurde gebissen von einem großen Fisch! Eine Wunde an der Hand machte ihm viele Schwierigkeiten, und er mußte sich wohl oder übel einem ruhigeren Gewerbe widmen. Er hatte schon immer gemalt. Aber die Ehrfurcht vor dem Namen des Großvaters, den er selbst trug, hatte ihn bisher daran gehindert, seine künstlerischen Ideen allzu ernst zu nehmen.

Nachdem er eine Weile davon gelebt hatte, daß er Krüge und Vasen nach „Touristengeschmack“ bemalte, nachdem er ferner sein Glück als Antiquitätenhändler versucht hatte, nachdem er schließlich sogar Archäologe gewesen war, wurde er endlich sogar – „Tierfänger“. – „Ich fing auf kleinen Felseninseln vor Spaniens Küste Eidechsen und verkaufte sie nach Hamburg – an Hagenbeck!“

In Barcelona endlich war es, wo er zu zeichnen anfing. Diese Studien setzte Paul Gauguin der Jüngere in Paris fort. Zweimal aber ging er noch nach Spanien: in Aragon diente er bei den Polizeitruppen, in Barcelona bei der Postzensur, daraufhin beim Grenzschutz. Wieder in Norwegen, war er zwei Jahre lang Theatermaler. Den Krieg machte er hier als Freiwilliger im Range eines Leutnants mit, war dann Kriegsgefangener, und nach seiner Entlassung illegal tätig; plötzlich drohte ihm die Verhaftung und er floh nach Schweden.