Gert Fröbe in der „Bonbonniere“

Paul Eipper war es, der die Tiere durch die Kamera ansah, die ihm reale Bilder lieferte. Christian Morgenstern, der humorvolle Weise, sah sie mit seinen bloßen Augen und fixierte die Bilder in Worten. Wer Gert Fröbe in dem neu erstandenen Hamburger Kabarett „Bonbonniere“ sah, muß bekennen, bisher noch nicht mit Morgensternschen, Augen gesehen zu haben. Eine Schnecke will aus ihrem Haus heraus –: der „Otto Normalverbraucher“ aus dem Film „Berliner Ballade“ wird zur Schnecke; eine Verwandlung, die so frappant ist, daß das Lachen in der Kehle stecken bleibt. Theoderichs des Großen Schildkröte erzählt aus ihrem tausendjährigen Leben–: nun erst weiß man, warum Morgenstern sie so und nicht anders sprechen ließ.

Möglichst viele junge Schauspieler sollten sich diesen Fröbe zum Vorbild nehmen. Wer von ihnen beherrscht seine Mimik so sehr, daß er seinem Antlitz die Züge eines Affen, Schafes oder Löwen geben könnte! Wer erst ist in der Lage, sein Gesicht ganz zu annullieren und mit seinem Körper in die Bewegungen der Meeresbrandung einzugehen! Fröbe ist ein echter Mime auch in der wortlosen Pantomime („Fisches Nachtgesang“: ein Lied ohne Worte, vorgetragen ohne Scheu vor dem Häßlichen). Schwierig bleibt es, neben diesem Außenseiter des überhöhten Kabaretts zu bestehen. Daß Iska Gen als weiblicher Gegenpart bestehen kann, spricht sehr für sie. Richard Hunzinger und der Conférencier Tierry sind die beiden anderen in diesem glücklichen Bund zu viert, der hoffen läßt, daß Hamburg, die Hafenstadt, noch eine Stadt der Brettl werde. H. S.