Die wachsende Bedrängnis, in die das TitoRegime durch die wirtschaftliche Blockade der Kominformländer geraten ist, hat das Verhältnis zwischen Jugoslawien und den Westrnäehten offensichtlich aufgelockert. Nicht etwa, weil der Kommunist Tito erst nach den handelspolitischen Absagen aus Budapest, Prag und Warschau bereit gewesen wäre, dringlichst benötigte Dollarkredite von den Kapitalisten anzunehmen, sondern weil mit dem Krach zwischen ihm und seinen früheren Verbündeten auch das Vertrauen der Amerikaner wächst, daß ihre Dollar sich nicht in Waffen verwandeln werden, die zu guter Letzt gegen sie selbst losgehen. Deshalb empfindet man jetzt in Belgrad jeden Schuß aus Moskau als angenehm. Und derlei Annehmlichkeiten gibt es genug.

Die Propaganda Titos läuft darauf hinaus, daß in Jugoslawien ein wunderbarer sozialistischer i Fünfjähfesplan im Garig gewesen sei der den dortigen Bauern und Arbeitern demnächst einen kalifornischen Lebensstandard eröffnet hätte, wäre nur nicht die Bosheit des Kominform dazwischen gekommen. Man darf sagen, daß dies eine Übertreibung ist. Weder hat das agrarische Jugoslawien die Voraussetzungen noch sein Regime die Fähigkeit, innerhalb weniger Jahre einen großen Industrialisierungsprozeß durchzuführen, und in Wirklichkeit wären die Kominformländer wohl kaum imstande gewesen, die dafür benötigten Spezialisten, Maschinen, Rohstoffe und Verkehrsmittel zu liefern. Die Wahrheit ist, daß das kommunistische Experiment in Jugoslawien im Zuge der gesellschaftlichen Destruktion, die es bewirkt hat, den Lebenstandard seit dem Aufhören der UNRRA HIfe fortwährend gedrückt hat, entgegen der am letzten Sonntag abgegebenen phantastischen Behauptung Titos, er brauche die Hilfe des Kominform nicht, denn die jugoslawische Produktion sei im letzten Jahre um 30 v. H gestiegen. Das Absinken der jugoslawischen Wirtschaft war schon vor einem Jahr eine Tatsache und ist daher nicht die Folge des Konfliktes mit der Kominform. Aber dieser Konflikt hat, so scheint es, der jugoslawischen Wirtschaft den Rest gegeben.

Daß die Westmächte an der Lage Titos ein Interesse nehmen müssen, liegt auf der Hand. Ganz abgesehen von allen strategischen Erwägungen hat die Tatsache, daß ein kommunistisches Regime existiert, das sich der Moskauer Führung nicht unterordnet, eine unschätzbare exemplarische Bedeutung. Man braucht sich also nicht zu wundern, daß, während Titos Washingtoner Botschafter hoffnungsvoll nach Hause flog, überall Meldungen auftauchten, Jugoslawien werde eine Dollaranleihe von zunächst 100 Millionen — während es 250 Millionen anstrebt — und einen Handelsvertrag mit England mit einem jährlichen Tauschwert von 120 Millionen Dollar erhalten. Man sollte sich allerdings bei der Diskussion der Bedingungen, die Tito angeblich aus diesem Anlaß erfüllen soll, nicht darüber täuschen, daß seine innerpolitische Leistungsfähigkeit sehr begrenzt ist. Daß ein Diktator machen kann, was ihm beliebt, ist nur relativ richtig. Tito muß sich in Jugoslawien schließlich auf ärgendjemanden stützen. Der Kampf mit dem KömInfprm hat ihm zweifellos einen bedeutenden Teil seiner kommunistischen Anhänger gekostet. Er kann nicht den Rest opfern, um den fruchtlosen Versuch zu machen, die bürgerlichen Elemente zu gewinnen. Infolgedessen bleibt ihm nur der Weg, unter Aufrechterhaltung seiner restlichen kommunistischen Gefolgschaft durch wirtschaftliche Erfolge, also in erster Linie durch den Gewinn von Dollarkrediten, die Duldung und vielleicht die Unterstützung einer größeren Zahl von Mitläufern zu gewinnen. Eine solche Politik schließt aber innerpolitische Konzessionen aus und läßt für außenpolitische nicht viel Raum. Dies ist der Grund, weshalb Tito es bereits öffentlich, wenn auch vielleicht nur für den Hausgebrauch, abgelehnt hat, Garantien in bezug auf Österreich und Triest zu geben, ja, dem Gerücht, er werde die Triester B Zone räumen, mit dem Fait accompli der Einbeziehung dieser Zone in das jugoslawische Währungsgebiet entgegengetreten ist.

Das zeigt schon, daß man von ihm im Augenblick nicht allzu viel verlangen kana wenn man ihn nicht unmittelbar gefährden will. Daraus ergibt sich allerdings, daß man ihm wahrscheinlich