Es war Anfang 1939, als Richard Mohaupt Deutschland verließ, nachdem die Aufführung seiner Werke verboten worden war (Nicht nur, daß er moderne Musik geschrieben hatte: er wollte sich außerdem von seiner "nichtarischen" Frau nicht scheiden lassen; das genügte im "Dritten Reich", ihn, der zu den Begabtesten der jüngeren deutschen Komponisten zählte, völlig kaltzustellen ) In Amerika aber setzte er sich durch, Dort schrieb er Orchestermusk und — nebenbei — eine zweiaktige Buffo Oper "Die Bremer Stadtmüsikanten", die, während des Krieges entstanden, von der ganzen Liebe dieses Schlesiers zu Deutschland spricht. Wahrscheinlich ist dieses Werk als Kinderoper geplant. Ein Prolog verrät dies, in dem ein Bänkelsängerpaar erklärt, was ohnehin verständlich Ist Tiere treten in Menschengestalt auf: Bär, Esel, Hund, Katze, Hahn und Henne. Sie befreien des Bürgermeisters Töchterlein aus der Gewalt der Räuber. Echt Märchenhelden. Aber wichtiger ist, daß sie — wie der bis in die Einzelheiten des Dialogs hmeia reizvoll frische Text verrät — "Berufsmusiker sind. Der Hahn schmettert auf der Trompete eins der Hauptmotive der Oper: seinen naturgetreuen Morgenruf; Pluto, der Hund, spielt so vortrefflich Klavier, daß seine Virtuosität die musikalische Qualität der ganzen Kumpanei ausweist. Nicht nur, daß die lieben Tiere daraufhin im mittelalterlichen Bremen als Stadtm usikanten angestellt werden —: die Szene, die eine durchschlagende Parodie auf ein Klavierkonzert ist, muß bei der Uraufführung der Oper wiederholt werden. Man bedauert es beinahe, daß Kinder bei dieser vortrefflichen Aufführung des Opernhauses Bremen nicht zugegen waren. Sie hätten nicht nur die bühnengemäß abgewandelte Handlung des alten Märchens, sie hätten — zum Unterschied von den "Kulturpolitikern" des "Dritten Reiches" — auch den Komponisten Mohaupt verständen, dem mit diesem unbeschwerten Werk das gültige Gegenstück zu Humperdincks berühmter Oper "Hansel und Gretel" gelungen ist. Diesem Märchenspiel war eine andere "Welturaufführung", betitelt "Kleiner Irrtum", vorangegangen;, der Komponist Eugen Badart dirigierte selbst das einaktige Werkchen, das nicht viel mehr war als ein wohlklingendes, weil gut instrumentiertes Nachgeplauder dessen, was WolfFerrari im Original gesagt hatte. Bei dem ersten Akkord der Mohauptschen Musik, die Hellmut Schnackenburg leitete, aber wurde der Unter, schied offenbar, dort ein gebildeter Epigone, hier eia gestaltender, zupackender Geist, der so ursprünglich ist, daß er sichs erlauben kann, ia einem Ballett moderne Rumba Rhythmen zu verwenden, ohne daß die Märchenstimmung verlorengeht. Mohaupts Musik ist teils von aphoristisch kurzer Prägnanz (wenige Takte sagen manchmal viel), teils von illustrativer Dramatik (wobei er "schrägen" Akkordballungen nicht aus dem Wege geht), teils von einer reinen Innigkeit (die viel vom alten deutschen Volkslied ein gefangen hat) Übrigens —; war es schon eine hübsche Idee, die "Bremer Stadtmüsikanten" in Bremen (im Rahmen einer "Internationalen Woche") zur Uraufführung zu bringen, so ist man verpflichtet, dem Opernhaus dieser Hansestadt ein Kompliment zu mächen. Die Inszenierung durch den Intendanten Erich Kronen war vorzüglich: echte Märchenluft und echte Modernität : Josef M grein ,