Pius XII. ist seit fünfzig Jahren Priester und seit zehn Jahren das Oberhaupt der katholischen Kirche. Diese Vergangenheit und Erfahrung, aber auch seine ganze Persönlichkeit geben die Gewähr dafür, daß eine von ihm erlassene Verfügung, und sei sie noch so ungewöhnlich, reiflich erwogen ist. In der Geschichte des Papsttums hat es sich bisher noch nie ereignet, daß Anhänger einer Weltanschauung, die nicht zugleich als kirchliche Irrlehre – als Häresie – bezeichnet und verdammt war, automatisch exkommuniziert wurden. Jetzt hat es sich ereignet. Der Papst hat die Entscheidung der Kongregation des Heiligen Offiziums durch ein Dekret bestätigt: wer aus freien Stücken Kommunist ist, verfällt als Abtrünniger des katholischen Glaubens der Exkommunikation,

Dies sei eine rein politische Entscheidung, so erklären die kommunistischen Wortführer in aller Welt. Der Vorstand der KPD Westdeutschlands behauptet sogar, der Papst und die katholische Hierarchie stelle sich nunmehr endgültig auf die Seite des internationalen Kapitals, der Ausbeutung und des Krieges. Und der tschechische Ministerpräsident drohte dem Prager Erzbischof Beran, er werde als Verräter aus der Gemeinschaft des tschechoslowakischen Volkes exkommuniziert werden.

Es ist wahrscheinlich, daß der Kirchenkampf in der Tschechoslowakei, daß insbesondere die dortige Gründung der sogenannten „katholischen Aktion“ die Entschlüsse des Vatikans beschleunigt haben, denn diese „katholische Aktipn“ bedeutet nichts anderes als den Versuch, einen kommunistischen Keil in die katholische Kirche zu treiben. Aber weder ein politischer Anlaß noch mögliche politische Folgen können das päpstliche Dekret selbst zu einer politischen Entscheidung stempeln. Es bleibt: seinem Sinn und Inhalt nach kirchlich und religiös. Hier verkündet ein Hirt seiner Herde eine sehr klare, sehr einfache Wahrheit: „Ein Christ kann nicht zugleich Kommunist sein.“ Dies ist zu Christen gesprochen, und es dient der Gewissensklärung, nicht etwa dem Gewissenszwang. Niemand kann in Wahrheit „gezwungen“ werden, etwas Unmögliches zu unterlassen. Aber jedem wird ein Dienst erwiesen, wenn ihm deutlich gesagt wird, daß Christentum und Kommunismus miteinander unvereinbar sind und daß er folglich zwischen beiden zu wählen hat. Wählt er den Kommunismus, so exkommuniziert er sich selbst. Wählt er das Christentum, so muß er dem Kommunismus entsagen. Etwas Drittes gibt es nicht.

Als eine Gewissenshilfe muß das päpstliche Dekret verstanden und gewürdigt werden. Wir sind arm geworden an wirklich klärenden Worten, an wahrhaft eindeutigen Haltungen. Und deshalb sollten alle Christen, nicht allein die Katholiken, dem Papste dankbar sein. Westlich des Eisernen Vorhangs, wo noch viele Menschen „aus freien Stücken“ Kommunisten zu sein wünschen, zugleich aber bei der Kirche bleiben wollen, wird die päpstliche Entscheidung wie ein reinigendes Gewitter wirken. Der Vatikan ist keine weltliche Macht mehr. Aber gerade deshalb ist seine geistige Kraft so stark, daß weltliche und besonders weltlich-totalitäre Mächte mit ihr zu rechnen haben. Fr.