Im Osten Hamburgs liegt am Rande des hohen • Geestrückens auf dem Gojenberg die Hamburger Sternwarte: Drei Wohnhäuser und acht Beobachtungsgebäude (für jedes Instrument eins) sind es, und neben den Instrumenten hat noch eine Bibliothek von über 30 000 Bänden dort ihren Platz. – Das Institut entstand aus der Initiative des Hamburger Mechanikers Repsold. Der unterhielt im Anfang des 19. Jahrhunderts eine feinmechanische Werkstatt, in der er auch astronomische Instrumente baute. 1825 richtete er sich eine eigene Sternwarte auf dem Wall beim Millerntor ein, die nach wenigen Jahren von der Stadt Hamburg übernommen wurde und dann 80 Jahre mit Erfolg arbeitete. Rauch, Licht am nächtlichen Himmel und Erschütterungen nahmen mit dem Größerwerden der Stadt zu und behinderten die astronomischen Arbeiten, so daß die Stadt auf Vorschlag des damaligen Direktors Richard Schorr beschloß, unter gleichzeitiger Verbesserung der instrumentellen Ausrüstung die Sternwarte nach dem Gojenberg bei Bergedorf zu verlegen.

In diesen Monaten werden am großen Refraktor, einem Linsenfernrohr von neun Meter Länge und einem Objektivdurchmesser von 60 Zentimeter (von 1906 bis 1911 in den Repsoldschen Werkstätten hergestellt), der durch Spezialanbau einer Photozelle mit Elektronenvervielfacher und durch eine Fernsehsenderöhre hinter einem Spektroskop verstärkt wurde, Versuche unternommen, die Klarheit darüber verschaffen sollen, ob es auf der Sonne ein ebensolches Magnetfeld wie auf der Erde gibt. Bis heute ist man noch zu keinem Ergebnis gekommen. Selbst die Amerikaner, die unter einem weit größeren Aufwand diese Untersuchungen schon früher betrieben, haben diese Frage noch nicht – entscheiden können.

In enger Nachbarschaft mit dem großen Refraktor steht das Haus des Meridiankreises, an dem in jeder klaren Nacht unermüdlich Sternortsbestimmungen gemacht sowie fundamentale Sternörter zweimal wöchentlich gemessen werden, um die wichtigen Urstände festzulegen. Dadurch ist die Hamburger Sternwarte besonders eng mit der Stadt, deren Wohl von der Seefahrt abhängt, verbunden. Der Zeitdienst teilt sich in zwei Gruppen –: Zeitbestimmung mittels des Meridiankreises und Zeitaufbewahrung. In einem temperierten, verschlossenen Keller wetteifern vier Pendel- und eine Quarzuhr mit der Präzision der Sternläufe. Das Rundfunkzeichen wird halbstündlich an den Sender gegeben, die Telefonzeit und die Uhren der Reichsbahn werden von hier gesteuert. – So richtet sich auch der Mensch im Alltag – viel mehr als er denkt und weiß – nach den Sternen. (Unser Bild zeigt den Blick auf den großen Refraktor bei halbgeöffneter Kuppel.

Hans Biensfeldt