Inkonsequenz war eine jener Eigenschaften, die Großbritannien zum Imperium werden ließen. Konsequenz ist eine jener Eigenschaften, die Großbritanniens Politik unter dem Labour-Kabinett immer häufiger auszeichnet. Das gilt besonders für die Demontage. Selten gab es in London so bestimmte Erklärungen wie in den letzten Wochen zu dieser Frage. Der Abbau wurde als „unabänderlich“ bezeichnet, Angriffe gegen ihn als „äußerst bedauerlich“ und das Ersuchen um Verhandlungen als „zwecklos“. Die Demontage sei kein rein britischer, sondern ein endgültiger alliierter Beschluß.

In der Tat: Mit der Konzentrierung auf die Politik der britischen Regierung schießt das – nicht allein deutsche – Trommelfeuer gegen die Demontage oftmals über das eigentliche Ziel hinaus. Nur in einem beschränkten Bereich, in Jenem nämlich, welche Teile der auf der Demontageliste stehenden Werke demontiert werden sollen, liegt die Entscheidung in der Hand einer britischen Kommission; ein Bereich, dessen Grenzen nach offizieller britischer Ansicht durch das Motiv der Sicherheit nach deutscher Meinung nicht allein durch dieses Motiv bestimmt werden. Die entscheidende Demontageliste jedoch trägt neben den Unterschriften Großbritanniens auch die der USA und Frankreichs. Es ist also nicht so, daß Großbritannien störrisch „hüh“, seine beiden Alliierten dagegen „hott“ sagten, sondern alle drei alliierten Fuhrmänner haben im April 1949 in Washington gemeinsam den Demontagekarren erneut in Bewegung gesetzt. Aber die britische Zone, in der nun einmal die größten Industrien liegen, wäre, am geeignetsten für den Versuch, ihn auch wieder zum Stehen zu bringen.

Leider hörte man dergleichen bisher nur aus inoffiziellen britischen und französischen Kreisenund – aus dem offiziellen Amerika. Es scheint, als dächten die USA wieder einmal europäischer als manche europäische Regierungen. Denn daran ist kein Zweifel: Durch die konsequenteDurchführung – der Demontage erleidet nicht nur die Vernunft, sondern auch Europa eine Schlappe.

C. J.