Die Harburger Gummiwarenfabrik Phoenix A. G., gewachsen aus dem vor fast 100 Jahren gegründeten ältesten deutschen Unternehmen der gummiverarbenten den Industrie, ist vom Bombenkrieg nicht verschont geblieben. Nach hartem Wiederaufbau ist jedoch heute schon die Produktion mengenmäßig über den Vorkriegsstand gestiegen und qualitativ der Anschluß an die „Friedensware“ gewonnen.

Hier werden, vom Fahrradreifen an, Gummiwaren aller Art für Technik, Sport und Gesundheitspflege erzeugt: Transportbänder, Treibriemen, Wasserschläuche, Spezialschläuche, Badehauben und -schuhe, Operationsschuhe und -handschuhe, Turnschuhe, Auto- und Traktorenreifen sowie Gummistiefel, die Spezialität. Hier steht die Phoenix trizonal an erster Stelle.

Die Rohstofffrage ist dabei heute kein Problem mehr. Vom synthetischen oder Naturkautschuk über die Chemikalien bis zu den Geweben ist nunmehr alles in ausreichender Menge zur Verfügung. Doch auf den Rohstoffmärkten stehen alle Chancen gegen die deutsche Gummi-Industrie; sie ist gezwungen, teurer einzukaufen als z. B. die amerikanischen Werke. Hinzu kommen binnenwirtschaftlich die finanziellen Belastungen – so z. B. aus der Wiederbeschaffung zerstörter Maschinen –, wodurch eine Kalkulation erzwungen wird, die vorerst wenig Aussichten auf einen Wettbewerb auf dem Weltmarkt läßt, abgesehen von den allgemeinen Exportschwierigkeiten, denen Deutschland unterworfen ist.

Der deutsche Reifenmarkt wird aktuell bestimmt durch die Drosselung des Kraftverkehrs infolge Geldknappheit und beschränkter Kraftstoffzuteilung. Der Verbrauch wird also mehr von der Konsumenten- als von der Produzentenseite eingeengt.

Nun, den Marktverhältnissen sich anzupassen, hat die Phoenix schon immer verstanden. Ihr Fabrikationsprogramm ist vielseitig-wendig, so daß Absatzstockungen vermieden und das Gewicht auf die Engpaßproduktion verlagert werden konnte. Die volle Belegschaft von über 4000 Mann ist nach wie vor in ungekürzter Arbeitszeit beschäftigt. H.