Vor dem zweiten Weltkriege wurden etwa 50 v. H. aller inländischen und importierten Ölsaaten in den Hamburg-Harburger Ölmühlen verarbeitet. 40 v. H. verteilten sich auf die rheinischen und 10 v. H. auf die ostelbischen Ölmühlen. Hamburg-Harburg war nicht nur das Ölmühlenzentrum Deutschlands, es war auch die bedeutendste Ölzentrale der Welt. Die großen Hamburg-Harburger Ölmühlen von F. Thörls Vereinigte Harburger Ölfabriken, Harburger Ölwerke Brinckman & Mergell (Hobum), Noblee & Thörl GmbH, und Hansa-Mühle AG. wurden im Verlaufe des letzten Krieges durch Luftangriffe erheblich beschädigt. Nach Wiederherstellung und Reparatur der Betriebseinrichtungen ist jedoch eine beachtliche Kapazität – man schätzt sie auf etwa 75 v. H. der Vorkriegszeit – erhalten geblieben.

Nach 1945 konnten die Werke nur im beschränkten Umfange ausgenutzt werden. Bis zum Eintreffen der ersten ausländischen Ölsaaten (gegen Ende 1947) lagen die Verarbeitungsquoten etwa bei 5, bis 7 v. H. der Vorkriegszeit. Von einer Rentabilität der Betriebe konnte keine Rede sein. Erst mit der Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse stieg die Kapazitätsausnutzung. An die Stelle der Sorgen um Rohstoffzuteilungen traten nunmehr Schwierigkeiten, die vermehrten Rohstoffzufuhren mit einem durch die Kriegseinwirkungen angeschlagenen Produktionsapparat zu bewältigen. Gleichzeitig verstärkte sich der Wettbewerb innerhalb der Industrie, der mit dem Bestreben nach erhöhter Leistung und Qualität verbunden ist.

Vor dem Kriege kauften die Ölmühlen ihre Rohstoffe, selbständig auf. dem Weltfettmarkt ein. Die Zollfreiheit: dieser Rohstoffe ergab die Voraussetzung für die Erstellung der damals billigen Konsum-Margarine. Kostete doch ein Pfund der billigsten Margarine im Jahre 1929 nur 23 Pfg. Heute ist der Weltfettmarkt nicht den Gesetzen eines freien Handels unterworfen, Starre Bindungen fester Verteilungssysteme sind an deren Stelle getreten.

Hamburg-Harburgs Ölmühlen-Industrie als typische Seehafenindustrie muß diese Entwicklung aufmerksam verfolgen, um so mehr, als das natürliche Hinterland für die eigene deutsche Erzeugung an pflanzlichen Rohstoffen zum Teil verschlossen ist. Die deutsche Inland-Ölsaatenernte wird 1949 in der Doppelzone nach Schätzungen 130 000 bis 150 000 t erbringen. Mit der außerdem vorgesehenen Einfuhr von 450 000 t Rohstoffen im Marshall-Plan-Jahr vom 1. Juli 1949 bis 30. Juni 1950 ergibt sich eine in verarbeitende Menge von 600 000 t Rohstoffen; das ist rund ein Drittel derjenigen Mengen, die in Friedensjahren in der deutschen Ölmühlen-Industrie verarbeitet wurden.

Es ist zu hoffen, daß die Einfuhren, die bislang noch von den Organen der Militärregierung durchgeführt, werden, in Kürze in deutsche Hände übergehen, um so wieder auf den Weltmärkten diejenigen Rohstoffe einkaufen zu können, die für die Ölmühlen-Industrie zur Herstellung erstklassiger und preiswerter Produkte notwendig sind. Die Ölmühlen-Industrie ist sehr daran interessiert, daß durch eine preisgünstige Einfuhr den Verbrauchern ein billiges Produkt angeboten werden kann. Erst dann, wenn der Unternehmer in der Ölmühlen-Industrie wieder als freier Kaufmann auf dem Weltmarkt erscheint, kann er darüber wachen, daß sein Betrieb nach den Grundsätzen der Rentabilität betrieben wird. Rentabilität und technische Rationalisierung in ihrer Wechselwirkung sind die Voraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit. N.