Seit einem Jahr liegt in einer Hamburger Werft ein ehemaliges Räumboot, das zum ersten Versuchsschiffder Elektrofischerei im Meer werden soll. Dieser Gedanke wird von zwei deutschen Forschern, dem Freiburger Dr. Konradin Kreutzer, und dem Hamburger lag. Herbert Peglow, propagiert. Bisher war Deutschland in der elektrischen Befischung der Binnenseen führende Aus den Erfahrungen dieses Fangsystems mit elektrischem Strom haben beide Wissenschaftler neue Erfindungen entwickelt, die einen Hochseefischfang möglich machen und zugleich eine Verzehnfachung der bisherigen Fangerträge versprechen. Ihre Erfindung läßt das Fangnetz zur Anodewerden. Von einem Generator soll dann elektrischer Strom in Stößen von 20 000 kW von Pol zu Pol fließen und auch die Fische in das elektrische Kraftfeld locken, die nicht direkt vor dem Netz schwimmen. Die unterschiedliche Stärke der elektrischen Stöße würde nach den Versuchen der beiden Erfinder sogar eine Auswahl der zu fangenden Fische nach ihrer Größe möglich machen.

Erfinder haben oft ein gemeinsames Schicksals ihre Gedanken werden nicht rechtzeitig erkannt oder sogar als undurchführbar abgelehnt. Beinahe geht es auch Dr. Konradin Kreutzer und Herbert Peglow so. Als sie ihre vorbereitenden Versuche beendet hatten und vor der Frage der praktischen Arbeit in den Fanggründen der Nordsee standen, erhielten sie lediglich die Unterstützung einiger Fachleute der amerikanischen Militärregierung, die sich sehr schnell von der Möglichkeit dieser umwälzenden deutschen Erfindung überzeugten. Sie waren es auch, die den Erfindern das einstige Räumboot „R 96“ verchartern ließen, um es als Versuchsschiff ausbauen zu lassen. Das ist längst geschehen. Aber noch immer hat sich keine deutsche Behörde gefunden, die die notwendigen 50 000 DM für den weiteren Ausbau des einstigen Räumbootes, das jetzt ein friedlicher Fischkutter geworden ist, zur Verfügung stellen will. Wir meinen, daß es über diese Frage keine Diskussion geben kann. Vielleicht kann sogar Hamburg die Kosten des Ausbaues übernehmen. Es könnte sehr stolz sein, der künftigen Elektrofischerei den Weg geebnet zu haben.

Dank gebührt in diesem Zusammenhang der Hamburger Zentralanstalt für Fischerei, die unter ihrem Dir. P. F. Meyer alle Fragen der Elektrofischerei in einem Diskussionsabend klären ließ, an dem außer einer Anzahl von Praktikern der Hochseefischerei zahlreiche Experten der Universität Hamburg und anderer Forschungsanstalten teilnahmen. Die wissenschaftlichen Grundlagen der Elektrofischerei, die im wesentlichen physiologische und elektrophysikalische Vorgänge sind, wurden von Prof. Dr.Mond, Dr. Kollath und Oberregierungsrat Dr. Denzer eingehend besprochen. Alle Wissenschaftler waren in der Ansicht einig, daß auf jeden Fall die von den Erfindern in Angriff genommenen Versuche auf dem Meere zu Ende geführt werden müssen. Man sollte dieser Erfindung durch behördliche Bedenken, die Frage der Instanzen und die Frage der Zuständigkeiten nicht den Weg versperren. Hier müssen sehr schnelle Entscheidungen getroffen werden, da ein Erfolg der von Dr. Kreutzer und Ing. Peglow propagierten Gedanken eine gewisse Umstellung in der bisher üblichen Bauweise unserer Fischkutter und Fischdampfer zur Folge haben würde.Warum sollte man auch die Fischereifahrzeuge im alten Stil weiterbauen, wenn man mit der modernen Erfindung der Elektrofischerei zehnfache Erträge zum Hafen bringen kann? Willy Wenzke