Die Bedeutung der Hamburger Industrie als eine der tragenden Säulen, auf denen das Gebäude der Hamburger Wirtschaft ruht, ist in den letzten Jahren besonders hervorgetreten: haben doch die Verschiebungen in der Wirtschaftsstruktur Hamburgs die Notwendigkeit der Pflege einer bodenständigen Industrie verstärkt in Erscheinung treten lassen.

Die Hamburger Industrie läßt sich in ihren Grundzügen eindeutig zurückführen auf den Ursprung, der gerade für einen Platz wie Hamburg charakteristisch sein müßte, nämlich die Lage Hamburgs als besonders transportgünstig gelegener Seehafen und Umschlagplatz. So ist auch das viel zitierte Wort von der Hamburger Kaufmannsindustrie zu verstehen, das nicht eine abschätzige Bemerkung gegenüber schwerindustriellen Zentren darstellt, sondern eben das zum Ausdruck bringt, was für weite Teile der Hamburger Industrie typisch ist. Die Tatsache, daß der Übergang von einer handelsmäßigen Be- und Verarbeitung zu einer industriellen Tätigkeit gerade an einem Platz wie Hamburg vielfach fließend ist, findet hierin ihre Erklärung. Dies ist symptomatisch auch für das Entstehen von Industriezweigen, bei denen durch die in der Zwischenzeit eingetretene selbständige Entwicklung dieser enge Zusammenhang mit der Handelsfunktion sich inzwischen längst verloren hat. In diesem Zusammenhang sei nur daran erinnert, daß beispielsweise das Entstehen der Hamburger Ölmühlenindustrie auf den Ölsaateneinfuhrhandel zurückgeht.

Hamburgs Stellung als Seehafen und Endpunkt zahlreicher Schiffahrtslinien entsprechend, muß und soll die Werftindustrie auch hier an erster Stelle genannt werden. Welche Sorgen gerade dieser ehemals größte hamburgische Industriezweig in den vergangenen Jahren durchgemacht hat, welche Verluste ihm entstanden sind, ist noch zu sehr in aller Erinnerung und ist – leider – teilweise zu sehr noch Gegenwart, als daß hierauf besonders hingewiesen werden müßte. Die Leistungsfähigkeit und der internationale Ruf der hamburgischen Werften wird ihnen in hoffentlich nicht zu ferner Zeit wieder den ihnen gebührenden Platz in der gesamten Hamburger Wirtschaft schaffen helfen.

Mit Hafen und Schiffahrt eng verbunden war die Entwicklung einer beachtlichen Maschinenindustrie, mag es sich um den Bau von Antriebsmaschinen für die Schiffe selbst oder um die Schaffung der technischen Ausrüstung eines großen Überseehafens handeln, was die Voraussetzungen für den Bau von Kränen und Baggern schuf, oder mögen schließlich die unzähligen kleineren Hilfsanlagen erwähnt werden, die für Hafen und Schiffahrt unerläßlich sind. Daneben steht die große Gruppe der Spezialmaschinenbauanstalten, die wiederum für die übrigen Zweige der Hamburger Industrie und nicht nur für diese die notwendigen Anlagen lieferte, wie Mühlen, Holzbearbeitungsmaschinen, kleinere Förderanlagen oder ähnliches.

Die Entwicklung der besonders in früheren Jahren hochentwickelten feinmechanischen und optischen Industrie in Hamburg wäre ohne den Schiffbau kaum verständlich. Die Herstellung von Kompassen, Sextanten und anderen Meßinstrumenten bildet in diesem Sinne einen qualitativ besonders hervorragenden Bestandteil, in den allerdings die Demontage böse Lücken; gerissen hat.

Gegenüber Berlin, als dem Mittelpunkt der beiden großen deutschen Elektrokonzerne, hat sich in Hamburg keine gleichartige Fertigung auf, dem Gebiet der Elektroindustrie entwickelt. Das Schwergewicht liegt hier mehr auf dem Gebiet des Baus von Kraftmaschinen bestimmter Leistung, auf Aggregaten und Spezialtypen von Elektromotoren, neben denen – ein Sondergebiet – die elektromedizinische Industrie und die Herstellung von Röntgen- wie Rundfunkröhren einen besonderen Schwerpunkt bildet.

Lassen sich also die vorgenannten Zweige, von einigen Spezialfertigungen abgesehen, weitgehend auf ihren Ursprung aus Hafen und Schiffahrt und deren unmittelbaren Bedarf zurückführen, so steht dem die große Gruppe der auf überseeischen Rohstoffen basierenden Industriezweige gegenüber. Hierzu gehören in erster Linie die Mineralölindustrie, die Kautschukindustrie, die Metallhütten, Spezialzweige der Textilindustrie und schließlich ein breiter Querschnitt durch das Gebiet der Nahrungs- und Genußmittelindustrie.