Da liegt fern in der Südsee ein Atoll, das Bikini heißt. Niemand kannte es, bis es "Versuchsfeld" für Übungen mit der Atombombe wurde. Und über dem Atoll erhob sich ein Pilz aus Wasser und Trümmern in den Himmel, der größte, den Menschen je mit einer von ihnen erzeugten Explosion hervorgebracht haben. Und der Pilz wurde photographiert, und die Bilder wanderten durch die Welt, und überall hielten die Menschen den Atem an angesichts dieses Monuments der Vernichtung. Und auch das Wort Bikini prägte sich ein.

Nun hat sich die Göttin der Mode des Symbols der Vernichtung bemächtigt, indem sie einen Badeanzug (der nicht viel mehr verhüllt als einst das Feigenblatt der Eva) "Modell Bikini" nannte. Und damit sich keine Irrtümer einschleichen, steht es auf den unwahrscheinlich schmalen Stoffpartien dieser Badekleidung in deutlichen Buchstaben verzeichnet.

Zuerst denkt man: Mußte es gerade dieses Atoll der Vernichtung sein, das seinen Namen an so ein Gedicht von Badeanzug gab. Aber bei der Anmut der Dame, die für "Bikini" Propaganda steht, überlegt man schließlich: Wie wäre es, wenn sich die Königin Mode auch anderer Symbole der Vernichtung bemächtigen würde, um sie mit Hilfe graziöser Damen ad absurdum zu führen. Ach, wenn die Mode doch so mächtig wäre, dies nicht nur mit den Symbolen, sondern mit der Vernichtung selbst zu vollbringen! –

So also kommt die Göttin Modedaher und heftet das Wörtchen Bikini auf die pralle Haut einer klassisch gebauten jungen Dame, als wollte sie sagen: "Kinderchen, es ist weiter nichts!" Als wäre Bikini ein anderer Ausdruck für Anmut. So paralysiert der Mensch von heute seine eigene Beklommenheit. "... und treibt mit Entsetzen Scherz", hat mal ein Dichter gesagt.