Als der Glasbläser Carl Heinrich Florenz Müller im Jahre 1865 in Hamburg eine bescheidene Werkstätte für wissenschaftliche Glasinstrumente einrichtet, konnte er nicht ahnen, daß aus seiner Werkstatt einmal die größte Röntgenröhren-Fabrik Deutschlands werden würde.

Wenige Wochen nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen, im Februar 1896, stellte C. H. F. Müller, angeregt durch Ärzte des Eppendorfer Krankenhauses in Hamburg, die erste technische Röntgenröhre her. Er legte damit den Grundstein zur ersten Röntgenröhren-Fabrik der Welt. Sehr bald wurden: die Müller-Röntgenröhren über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. 1901, anläßlich der Weltausstellung in London, wurde eine Müller-Röhre mit der Goldenen Medaille ausgezeichnet.

Aus der kleinen Werkstatt des einstigen Glasbläsers, der an den Folgen der bei den Arbeiten mit Röntgenstrahlen erlittenen Strahlenschädigungen starb, entwickelte: sich im Laufe der Jahrzehnte einmodernes Werk. Es war in den Jahren 1929/30 als neuzeitlicher Zweckbau aus Beton und Glas in Hamburg-Fuhlsbüttel erbaut worden und beschäftigte 1938 nahezu 700 Arbeitnehmer. Den Krieg überstand es zum Glück ohne Beschädigungen. Da mehr als 75 v. H. der Fabrikation auch während des Krieges auf Friedenserzeugnisse entfielen, dürfte die Produktion bald wiederaufgenommen werden. Inzwischen hat sie den Vorkriegsstand überschritten. Heute stellt die C. H. F. Müller AG. das größte Röntgenröhren-Werk Deutschlands mit 800 Arbeitnehmern dar;

Nachdem im Jahr 1930 die Fabrikation von Röntgenapparaten aufgenommen worden war, hat man jetzt auch mit der Herstellung von Röntgen-UUntersuchungsgeräten begonnen. Das Fertigungsprogramm umfaßt heute: Röntgenröhren und Hochspannungsgleichrichter, Röntgenapparate aller Leistungsklassen, Röntgen-Untersuchungsgeräte und Zubehör für die medizinische und technische Anwendung der Röntgenstrahlen.

Wahre technische Wunder sind die Hochleistungs-Dreh-Anodenröhren modernster Bauart, bei denen die Anode unter der Einwirkung eines elektromagnetischen Drehfeldes im Hochvakuum mit rund 3000 Umdrehungen je Minute rotiert. Mit diesen Röhren lassen, sich Aufnahmen von bewegten Organen des menschlichen Körpers (Lunge, Herz, Magen) in Bruchteilen einer Sekunde vornehmen. – Für die Bestrahlung von Geschwülsten werden Röntgeneinrichtungen hergestellt, bei denen Spannungen bis zu 200 000 Volt und mehr verwendet werden. Auf dem Gebiet der technischen Anwendung der Röntgenstrahlen fabriziert das Werk Spezialröhren und Apparate für die röntgenografische Feinstrukturuntersuchung von Materialien. – In allen Zweigen der diagnostischen und therapeutischen Röntgentechnik wurden seit Kriegsende Neukonstruktionen herausgebracht, die im In- und Ausland auf großes Interesse stießen und eine weitgehende Nachfrage auslösten. Die diesjährige Tagung der Deutschen Röntgen-Gesellschaft, die im September in Hamburg stattfinden wird, dürfte darüber Aufschluß geben.

Die Erzeugnisse der Firma, sowohl für die medizinische als auch für die technische Anwendung der Röntgenstrahlen, werden seit 1947 wie einst nach europäischen Ländern und auch nach Übersee ausgeführt. Die in Hannover abgeschlossenen Exportverträge zeigen das Unternehmen als einen der exportintensivsten Betriebe Hamburgs. Im Jahre 1948 betrug die Ausfuhr der Firma rund ein Drittel der Gesamterzeugung und 45 v. H. des gesamten deutschen Exportes auf dem Gebiete der Elektromedizin. In der letzten Zeit ist das Auslandsgeschäft wegen der Preisgestaltung viel schwerer geworden. Trotzdem läßt sich eine weitere Steigerung des Exports erkennen. Der Weltruf von "Röntgen-Müller" wird auch in Zukunft einen guten Anteil am Auslandsgeschäft sichern. M.