Das erste konkrete Resultat dieser Gedankengänge ist der englisch-argentinische Vertrag. Er gibt England in diesem wichtigsten Absatzgebiet eine überragende Stellung. Es wird fast ganz allein bedeutende Bedürfnisse befriedigen dürfen, die bisher so gut wie ausschließlich von der nordamerikanischen Ausfuhr gedeckt wurden, wie die Nachfrage nach Automobilen landwirtschaftlichen Geräten und schweren Maschinen. Die nordamerikanische Öffentlichkeit hat dementsprechend das Abkommen scharf angegriffen.

In den beiden Jahrzehnten nach dem ersten Weltkrieg galt als allgemeine Regel, daß die Engländer 40 v. H. der argentinischen Ausfuhraufnahmen und 25 v. H. der argentinischen Einfuhr lieferten, während die Vereinigten Staaten gerade umgekehrt nur 25 v. H. der Ausfuhr übernahmen und dafür 40 v. H. der argentinischen Einfuhr stellten. Vor der großen Weltwirtschaftskrise 1929 wurden die britischen Anlagewerte in Argentinien auf 500 Millionen Pfund Sterling geschätzt – und das waren noch richtige Goldpfundel Zur gleichen Zeit erreichten die britischen Kapitalanlagen in Britisch-Indien nur 375 Millionen Pfund. Gestützt auf diesen Rückhalt konnte England den Handel am La-Plata-Strom in hohem Maße über London leiten. Britische Banken bevorschußten die argentinische Ernte, britische Kaufleute kauften sie teilweise schon auf dem Halm, britische Lagerhäuser lagerten sie in Buenos Aires ein, britische Schiffe brachten sie nach Europa, wobei sie von britischen Versicherungsgesellschaften versichert wurden. Aber Argentinien erhielt ausdrücklich einen ausreichenden Anteil an der britischen Fleischversorgung zugesichert.

Wie ganz anders war die amerikanische Politik! Sobald Argentinien Fleisch nach den Vereinigten Staaten liefern wollte, erhoben sich die Vertreter der Viehzüchter in Texas. Sie setzten nicht nur hohe Schutzzölle durch, sondern sorgten dafür, daß bei den Einfuhrbehörden die Beamten sanitäre Vorschriften vorschützten, um jede Fleischeinfuhr aus Argentinien unmöglich zu machen. Sobald argentinisches Fleisch ankam, wurde es einer ärztlichen Untersuchung unterworfen, die jedesmal feststellte, daß die argentinischen Tiere krank gewesen seien.

Nun konnte kaum eine Behauptung die Argentinier derart kränken wie diese, sind sie doch stolz darauf, das beste Fleisch der Welt zu erzeugen, So gehörten die Sympathien der Viehzüchter – und sie stellen in Argentinien den politisch einflußreichsten Teil der Bevölkerung und beherrschen die öffentliche Meinung – einseitig England.

Südamerika bekam allerdings für seine Ausfuhren nach England nur Pfund Sterling, mit denen es seine wichtigste Einfuhr nicht bezahlen konnte, weil diese in Dollar verrechnet wurde. Erst wenn England auch solche Güter lieferte, die bisher nur gegen Dollar erhältlich waren, wie Steinkohle und Erdöl, und Argentinien dafür auch solche Waren in sein Land hereinließ, die bis dahin als Luxus angesehen wurden, wie etwa Whisky, war es möglich, den Handelsverkehr auf eine breitere Basis zu stellen. Praktisch bedeutet das, daß Argentinien künftig seine Einfuhr mit England auf Pfundbasis verrechnet und entsprechend umstellt. Für die Einfuhr nordamerikanischer Waren werden nur die Devisen bereitgestellt, die sich aus nordamerikanischen Käufen in Argentinien ergeben. Wenn die Vereinigten Staaten künftig ihren Absatz in diesem Lande ausweiten wollen, so können sie das nur über eine entsprechende Öffnung ihres eigenen Marktes. Das setzt jedoch einen grundlegenden Wandel in ihrer Einfuhrpolitik voraus.

Deutschland ist unentbehrlich

Wer heute durch Südamerika fährt und mit den Kaufleuten oder den Industriellen spricht der hört nur eine Frage Wann kommet die deutschen Waren wieder? Trotz der Trennung von zehn Jahren, trotz der wirtschaftlicher Schwierigkeiten, trotz aller gegenteiligen Propa ganda und mancher feindseliger Strömungen auf der Kriegszeit ist der Wunsch, mit Deutschland in einen gesunden Warenaustausch zu kommen größer denn je. Das ist nicht die Frucht falsche! Hoffnungen, sondern das Ergebnis bitterer Er fahrungen.