Brüssel, im Juli 1949

Während er die Fenster reinigt, frage ich ihn und er erzählt ununterbrochen. "Ja – das ist verschieden! Jetzt zum Beispiel arbeite ich im Ministerium. So viele Fenster, wie es da gibt. Ich putze schon drei Tage –, übermorgen werde ich erst fertig. Aber so ein Einfamilienhaus wie dieses, meinen Sie? Dazu brauche ich durchschnittlich nur vier Stunden, manchmal nur drei."

Er stand auf dem Fensterbrett und schwang sich hinaus, um die Oberlichte außen zu reinigen. Der linke Arm hielt innen das Gewicht des Körpers. Es sieht gefährlich aus, aber für ihn ist das nichts Ungewöhnliches mehr.

"Ich will mich nicht loben", fährt er fort, "aber Spielerei gibt es bei mir nicht. Ich darf schon sagen, daß ich einer der schnellsten Arbeiter unserer Firma bin, und wir sind viele."

Er schwang sich wieder hinein und putzte innen weiter, dann sprang er vom Fensterbrett herunter.

"So, Ihre Spiegel, die brauchen auch noch einen Griff." (Spiegel werden extra bezahlt.) Schon war er bei den Spiegeln, immer die Zigarette dabei im Mund. Die Asche tippte er in seine Schürzentasche.

"Auf hundert Fenster bring ich es so am Tag, außer den Spiegeln. Wir arbeiten im Akkord. So komm’ ich in der Woche auf 1200 bis 1500 Franken. Und dann mach’ ich noch Überstunden. Macht. mir gar nichts aus; wenn man kräftig und gesund ist..."