Gary Davis hat aus seinem Hauptquartier in Paris einen seiner vertrautesten Freunde und Mitarbeiter, Rudy Herzberger – der als amerikanischer Soldat nach Europa kam und sich schon früh Gary Davis anschloß, wofür er "Weltbürger Nr. 2" genannt wunde – nach Deutschland geschickt, daß er hier eine große Werbeaktion startet. Herzberger begann seinen Werbefeldzug in der nordöstlichen Ecke der Westzonen, in Lübeck und Kiel. Von dort wird er dann die Westzonen in einem geliehenen Tempo wagen bereisen; anschließend will er auch die sowjetische Besatzungszone besuchen.

Am 16. Juli fand in Hamburg unter dem Patronat der "Gemeinschaft zur Förderung des Weltbürgertums e. V., Hamburg", Her "Erste Weltbürgertag Deutschlands" statt. Es erschienen zu diesem Treffen nicht nur die Hamburger Weltbürger: Gäste aus Holland, Frankreich, Dänemark und Schweden nahmen daran teil. Es sprachen Professor Dr. A. Jores von der Universität Hamburg und Frau Magda Hopstock-Huth, die Vorsitzende der internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit; auch die ersten Vorsitzenden der SPD, CDU, FDP und KPD und Vertreter der Kirchen meldeten sich zu Wort.

Rudy Herzberger, dieser sympathische Junge, der mit so viel Idealismus ans Werk geht, will vor allem die Jugend aufrufen, sich dem Wahnsinn eines neuen Weltkrieges entgegenzustemmen, indem sie sich Gary Davis anschließt und sich als Weltbürger registrieren läßt. Es gilt, soviel Registrierungen wie möglich zusammenzubringen für die "Weltparlaments-Wahlen", die Gary Davis für 1950 "plant".

Mit einer fliegenden Registrierstelle ist Herzberger unterwegs. Ein Tisch und ein Stuhl werden aus dem Auto herausgesetzt irgendwo an den Straßenrand, und dann geht es los. Herzberger spricht ein paar Worte, Druckschriften werden verteilt, die Registrierung beginnt.

Dieser junge Mann mit dem offenen, freundlichen Gesicht und der idealistischen Stirn wirbt für die Idee, an die er glaubt. "Ich bin kein großer Redner und kein großer Politiker", sagt er offen. Er meint, daß die Vernunft in den Menschen stärker ist als der Wahn, sofern es gelingt, schlicht und ehrlich an diese Vernunft zu appellieren. Schlichtheit und Ehrlichkeit sind überhaupt wesentliche Kennzeichen seines Tuns und desjenigen seiner Freunde.

Ja, und sie leben wie die Lilien auf dem Felde. Schlafen irgendwo bei anderen Weltbürgern und werden auch von diesen verpflegt. Alles ist herrlich unprogrammatisch. Bargeld ist knapp. Idealisten haben meist keine vollen Brieftaschen. Herzberger kennt das Leben. Er war Tellerwäscher, Reporter, Artist, war arbeitslos und schlief, weil ohne Bleibe, in warmen Nächten unter den Brücken New Yorks, und er war später Soldat. – Er redet eine Sprache, die von Herzen kommt, und die man überall versteht.

Mit fliegendem Haar steht er auf einem Stuhl am Straßenrand einer Hauptverkehrsstraße und redet die Leute direkt an. Und einmal streicht er sich nervös über die Stirn, als einige Seifenblasen vorüberwehen, die von einem Nachbarstand kommen, wo ein Händler das beliebte, neue Kinderspielzeug verkauft. Schöne, bunte Seifenblasen... –us